Berlin, Berlin – einmal um Berlin! Teil 2

Zurück zum Teil 1!

 

Meine Pflichtausrüstung für die Nacht hatte ich aus dem Dropbag am Wechselpunkt 2 mitgenommen. Die Nacht kam schnell und damit die Zeit für die Stirnlampe. Noch wechselten sich Laufen und Gehen ab, die Abstände bzw. Längen differierten. Kurz hinter dem ehemaligen Grenzturm Nieder Neuendorf lief ich auf einen Läufer auf, der arge Probleme hatte. Da konnte ich natürlich nicht einfach vorbei. Ich blieb also bei ihm und half so gut es ging. Bis zum nächsten VP waren es noch etwa 4 Kilometer, die er schwankend neben mir verbrachte. Es ging alles gut, wir erreichten gemeinsam den VP 21, gleichzeitig der dritte Wechselpunkt und Dropbag-Station. Ich übergab den Laufkollegen an die Betreuung vor Ort und tankte selbst wieder auf. Im Dropbag hatte ich zwei weitere Clif-Bars und eine "frische" Stirnlampe. Mit beidem bewaffnet ging es auf die letzten 30 Kilometer.

 

Der letzte VP!

Der letzte VP!

 

Genau weiß ich es nicht mehr, aber nur eine kurze Strecke hinter dem Wechselpunkt 3 schloss ich mich mit einem anderen Läufer zusammen. Gemeinsam ging es weiter durch die Nacht und einsame Natur. Unser Tempo passte super zusammen, das Laufen wurde mehr und mehr durch Gehen ersetzt. Irgendwann hatten wir einen guten schnellen Schritt gefunden und blieben letztlich bis zum Ziel zusammen. Die Strecke zog sich aber dann doch ganz schön. Die Kilometer wurden doppelt so lang, bei mir waren es ja sogar Meilen auf der Uhr. Die mögliche Finish-Zeit verschob sich immer mehr, aber wir wussten beide, dass wir uns den Buckle für ein Finish unter 24h verdienen würden. Die letzten VP´s, die letzten Kilometer bei aufgehender Sonne! Nach 23:21:16 Stunden lief ich durch den Zielbogen! Meine ersten 100 Meilen waren geschafft!

 

STOLZ!!!

STOLZ!!! (auch wenn es nicht so aussieht!)

 

Es folgten natürlich erst einmal viele Glückwünsche. Von und an meinen Begleiter, von den Leuten der Zeitnahme, vom Orga-Team und auch vom Team der Sportmedizin. 😉 Hier wurde ich bereits erwartet und in den Med-Trakt im Stadiongebäude begleitet. Nach einer ersten Verpflegung und Entledigung von Schuhen, nassen Sachen etc. ging es auch mit den geplanten kurzen Untersuchungen weiter. Bei der biometrischen Vermessung streikte mein Körper aber erst einmal und forderte eine Verschnaufpause. So ging es eben mit dem Herzecho und einer Ruhepause auf der Liege weiter. Auch dieser Teil der Studienteilnahme war irgendwann geschafft, dank des tollen Teams der Charité war es jedoch keine wirkliche Anstrengung. Nach einer ausgiebigen Dusche und mit einem leckeren Frühstücksmüsli im Bauch erwartete ich Jule. Gemeinsam erlebten wir dann noch einige Zieleinläufe am Vormittag, so auch den von Joey Kelly und Joe Kelbel. Sein äußerst lesenswerter Bericht und jede Menge tolle Fotos sind wieder auf marathon4you.de veröffentlicht!

 

Unser Plan sah noch einen Brunch im Ohlala vor, bevor wir zur Siegerehrung und Medaillenübergabe zurück ins Rennhotel am Alexanderplatz wollten. So verfuhren wir dann auch, es war unser wahrscheinlich letzter Brunch im Ohlala vor dessen Schließung - seeeeehr schade! Im Hotel trafen wir dann wieder auf viele Bekannte und sahen schon ein wenig bei der Siegerehrung der Staffeln zu. Danach kamen die Einzelstarter an die Reihe. Sehr stimmungsvolle Worte wurden zu Beginn von Reiner Eppelmann gesprochen, die Atmosphäre war generell sehr schön. Es wurde jeder Starter geehrt, in umgekehrter Reihenfolge des Einlaufs. Mit meinem 76. Platz in der Gesamtwertung wartete ich entsprechend länger - aber natürlich gern! Die Urkunden, Medaillen und ggf. die Buckle wurden durch verschiedene prominente Vertreter aus Gesellschaft, Politik und Sport übergeben. Ich durfte meine Sachen von Reiner Eppelmann erhalten, der sich auch gleich noch nach meinem Vereinsnamen (Laufen gegen Leiden e.V.) erkundigte. Sehr persönlich und nett!

 

 

Das war es dann aber auch fast. Die bis dahin unterdrückte Müdigkeit bahnte sich ihren Weg. Nach zwei kurzen Schlafpausen waren wir zum zeitigen Abend wieder daheim. Das Verarbeiten des Erlebten konnte beginnen! In den Tagen nach dem Lauf stand für mich noch das tägliche Ausfüllen diverser Fragebögen an, und es folgt noch ein letzter Termin in der Charité. Ich bin auf die Ergebnisse der Studienteilnahme richtig gespannt. Gebracht hat sie mir persönlich aber jetzt schon jede Menge positive Erkenntnisse. Und weil alles so schön geklappt hat, steht auch das Saisonziel für 2017 bereits fest: ich hole mir die Back-To-Back-Medaille beim Mauerweglauf am 12.-13.08.2017!

 

Mauerweglauf 2016 - 15

Die reiche "Ausbeute"!

 

Last but not least: ein ganz dickes Dankeschön an meine Jule für den Rückhalt und die vielen bewussten, wie auch unbewussten Motivationen in der langen Vorbereitung! Ohne diesen funktioniert es nicht! :-*