Doppelte Premiere im Ländle

 

Letzten Samstag war es nun soweit, meine Premiere auf den 100 Kilometern stand an! Nach einer anstrengenden Woche mit viel zu wenig Schlaf stand ich am Start zum 5. Schefflenzer Ultra über 100km.

Einige kurzfristige familiäre Planänderungen waren vorausgegangen, so dass ich am Freitag nicht die Füße hochlegen konnte, sondern stattdessen die knapp 700 Kilometer Anreise im Auto verbrachte. Jule war bereits in Stuttgart und hatte ein ordentliches Kulturprogramm und Besuch/Unterkunft bei der Verwandtschaft. Ich kam dann zum späten Nachmittag an diesem Hitzetag mit bis zu 36°C dazu. Nicht optimal, aber ich machte mir auch keine Sorgen.

Nach etwas mehr als drei Stunden Schlaf klingelte dann der Wecker. Anziehen, Frühstücken und Abfahrt nach Billigheim-Allfeld – am Rande des Odenwalds. Im Großraum Stuttgart waren einige Hitzegewitter unterwegs, diese ließ ich aber hinter mir. Eine gute Stunde Autofahrt später war ich am Start und Ziel der Veranstaltung angelangt. Neben den 100km wurden auch 50km, Marathon und Halbmarathon angeboten. Um diese frühe Uhrzeit waren jedoch nur die paar „Verrückten“ anwesend. 😉 Gemeldet waren 23 Starter auf der 100er Strecke, die aus zwei Runden bestand und als „wellig“ beschrieben war.

 

 

 

Mit der Startnummer gab es ein kleines Fläschchen Rosé, passend zum warmen Wetter. Wer bereits hier übernachtet hatte, konnte in der Halle frühstücken. Hier waren auch die Duschen, Toiletten und alles weitere „Offizielle“. Mehrere Bildertafeln mit Impressionen und Siegerfotos der letzten Jahre vermittelten den Eindruck einer kleinen, feinen Veranstaltung mit viel Herzblut in der Organisation. Danke dafür, denn auch ich fühlte mich gleich wohl!

Kurz vor dem Start zogen Regenwolken auf, und es begann leicht zu regnen. Ich empfand es nach der Hitze vom Vortag eher angenehm und da der Samstag auch wieder die 30°C-Marke überschreiten sollte, war der Regen willkommen. Es gab ein paar einleitende Worte zu Besonderheiten der Strecke, der Beschilderung, den Verpflegungspunkten und dann ging es auch pünktlich um 6.00 Uhr los. Ich befand mich mittig und wollte schauen, wie sich das Tempo anfühlen würde. Nach wenigen Hundert Metern setzte sich jedoch schon eine kleine Gruppe von 6 Läufern ab, während das „Hauptfeld“ eher schnatternd und lachend das Rennen begann. Ich fühlte mich falsch und schloss daraufhin auf die Spitze auf. Das war gut so. Auch unsere kleine Gruppe zerfiel relativ schnell. Zwei „Raketen“ bildeten die Spitze, danach kam ein weiterer Läufer gefolgt von mir. Bis ca. Kilometer 42 hatte ich die 4. Position im Rennen inne, an den VP´s schlossen die beiden folgenden Läufer auf und wir wechselten meist noch ein paar Worte. Das Anlaufen der Verpflegungsstellen war Pflicht, hier wurde die Startnummer kontrolliert und die Durchgangszeit notiert.

 

 

Ich verfolgte wieder konsequent meine erprobte „Rennsteig-Taktik“: auch am Beginn des Rennens, wenn die Beine noch frisch sind, werden die Anstiege gegangen. In der weiteren Folge wurde ich überholt und lief nun auf Rang 6 – aber das spielte (noch) keine Rolle. Mein Ziel war ein Finish der 100 Kilometer. Und daran zweifelte ich nicht eine Sekunde! Körperlich und mental war ich voll da – dank dem Rückhalt von Jule, meinem teils sehr intensivem Freeletics- und Lauftraining und natürlich der besten Ernährung!

Nach 4:58:xx Stunden lief ich durch den Zielkanal und begann die zweite Runde. Meine beiden direkten Mitläufer hatten nur wenige Sekunden vor mir die Runde beendet und wir standen wieder am Verpflegungstisch zusammen. Hier liefen wir aber doch etwas unterschiedlich schnell wieder los, so dass ich weder nach vorn, noch nach hinten einen weiteren Läufer in Sichtweite hatte.

Ein Wort noch zur Verpflegung: 9 VP auf der 50er Runde, alle sehr gut ausgestattet und auch beim zweiten Anlauf noch mit guter Auswahl. Obst, Studentenfutter, Salzgebäck, Datteln, diverse Getränke und sonstiges, für mich „uninteressantes“, Esszeug war ausreichend vorhanden. Nette Helfer und ganz wichtig immer auch eine Wanne mit Wasser zum Erfrischen. Wirklich toll!! Da blieb ich gern die ein oder andere Minute länger, besonders auf der zweiten Runde. Die Temperatur, die die 30°C wieder locker überschritten hatte, verlangte nach einem besonnenem Laufstil.

 

 

Kurz vor dem VP bei Kilometer 62 kam mir einer meiner beiden Weggefährten entgegen. Er hatte hier das Rennen aufgegeben. Schade für ihn! Und dann ging es auf einmal Schlag auf Schlag. Eine 7km lange Runde durch den Odenwald wird mit einem Verpflegungspunkt begonnen und wenige Meter weiter mit einem weiteren beendet. Hier erfuhr ich von Problemen eines weiteren Läufers vor mir und von der super schnellen Zeit des Führenden. Am Ende der 7-Kilometer-Schleife wurde mir die aktuellste Entwicklung mitgeteilt: ich lief plötzlich auf Rang 3! 🙂 Schön, aber der Weg war auch noch weit, wenn auch ohne Zweifel meinerseits.

Weiter ging es durch die weiten Felder und Wiesen, durch kleine Orte, gelegentliche Waldabschnitte aber meist immer in der Sonne. Ich kam damit gut zurecht. An jedem Versorgungspunkt tränkte ich mein Buff, außerdem gab es Wasser ins Gesicht, über die Arme und den Kopf. Neben den 3-4 Bechern Getränk direkt am Stand, füllte ich meine Handflasche für die nächsten 5-7 Kilometer auf. Das klappte gut und ich kam entsprechend voran. Sonst konnte ich diesen Läufen mit mehreren Runden nichts tolles abgewinnen. Beim Schefflenzer Ultra war dies anders. Ich fühlte mich an die Müritzumrundung und gleichzeitig an den Rennsteiglauf erinnert. Zum Beispiel ist es schön, wenn man die nächste Steigung nach dem VP bereits kennt und sich gleich darauf einstellen kann…

 

 

Die noch zu laufenden Kilometer wurden weniger, meine Position im Rennen blieb bestehen – ich lief tatsächlich einem Podiumsplatz entgegen. 🙂 Auf den letzten Kilometern entlang dem Flüsschen Schefflenz legte ich an Tempo zu und lief nach offiziellen 11:41:14 Stunden bei meinem ersten 100er als Gesamtdritter ins Ziel! Doppelte Premiere für mich!!

Ich war mega-glücklich, hatte aber kaum Zeit mich zu freuen. Die Siegerehrung sollte sofort starten, da die Plätze 1 und 2 nun bereits eine Weile warteten. Ich hatte kein Problem damit, ungeduscht zur Siegerehrung zu erscheinen… Mit dem Pokal im Arm konnte ich danach Jule an meiner Freude telefonisch teilhaben lassen. Sie staunte auch nicht schlecht, und ich bin immer noch leicht sprachlos. In erster Linie freue ich mich jedoch über das Finish und mein Gefühl und die körperliche Verfassung dabei. Wieder ein Meilenstein mehr genommen zum Mauerweglauf im August!