Der bessere Marathon in Berlin

 

Gestern war es also soweit, ein erster Marathon im Jahr 2014 stand an. Die letzten Wochen waren nicht optimal, eine Erkältung und mein Unfall beeinträchtigten etwas das Training. Aber egal, es sollte ja kein Bestzeitenlauf werden, sondern eine schöne lange Runde mit Wettkampfcharakter als Vorbereitung für den Rennsteig. Und genau diese Erwartungen konnte ich mir erfüllen.

 

 

Grunewald Marathon 2014-04-05 #2

 

Gefunden hatte ich die Veranstaltung eher durch Zufall bereits im letzten Herbst. Auf der Suche nach einem zeitigen Marathon möglichst in der näheren Umgebung, bin ich auf die Seite des SCB Berlin gestoßen. Der Verein hatte erstmals im Jahr 2013 den Grunewald Marathon organisiert und als Berlin/Brandenburger Meisterschaften im Halbmarathon und Marathon durchgeführt. Die Bilder versprachen eine kleine und familiäre Veranstaltung, die Strecke Abwechslung und Natur pur! Außerdem gab es noch ein paar Höhenmeter obendrauf, beste Voraussetzungen also für die gewünschte Rennsteig-Vorbereitung. Das Rennen war gebucht! 🙂

 

Grunewald Marathon 2014-04-05 #3

 

Am Samstag fuhren also Jule und ich ganz entspannt nach Berlin. Um 9.50 Uhr sollte der Startschuss für die Marathon-Männer erfolgen, an lange Schlangen zur Startnummerabholung musste man hier nicht denken. Ganz gemütlich parkten wir in der Nähe ein und schlenderten auf das weitläufige Gelände am Rand des Grunwalds. Die Startnummer war schnell übernommen, wir hörten noch ein paar Erläuterungen des Sprechers und sahen den Start der Marathon-Frauen. Diese begannen bereits um 9.00 Uhr ihr Rennen. Hier hatte der SCB einen guten Plan ausgearbeitet: alle Klassen (Frauen/Männer in Marathon und Halbmarathon) hatten unterschiedliche Startzeiten. Für die offiziellen Zeitnehmer eine Entlastung, für die Läufer auch sehr schön. Wie auch im letzten Jahr, waren bei der 2. Auflage des Grunwald Marathon wieder die Landesmeisterschaften M/HM angesiedelt. Ich hatte mich dafür jedoch nicht eingeschrieben…

 

Grunewald Marathon 2014-04-05 #8

 

Meine Vorbereitungen dauerten nicht lange, die Starter fanden sich nach und nach ein. Ein kleines buntes Häufchen hatte den Weg hierher gefunden. Insgesamt gingen dann 64 Männer auf der Marathon-Distanz an den Start. Jule fotografierte den Start und machte sich dann mit unserem Eddie auch auf die Strecke in den Wald. Bei Kilometer 17 trafen wir uns dann sogar später. Sie konnte einige nette Gespräche führen, mit Begleitern, mit anderen Spaziergängern und hatte auch keine Langeweile. 🙂

 

Grunewald Marathon 2014-04-05 #4

 

Zum Lauf an sich. Nach knappen Hundert Metern war man aus den Sportanlagen heraus und befand sich auf Waldwegen. Die Strecke bestand bis auf maximal 100m wirklich nur aus Naturboden, teils sandig, auch mal mit vielen Wurzeln, teils geschottert. Und es gab einiges an Auf und Ab. Viele kleine Wellen waren vorhanden, über die man problemlos rüber gelaufen ist. Aber es gab auch (für Flachländer) drei längere Anstiege zu bewältigen. Der bekannteste dabei war der Havelberg, der sogenannte „lange Jammer“, mit einer Länge von 1000m. Und dies alles zweimal, denn der Kurs wurde doppelt gelaufen. Zur Halbzeit war man wieder auf dem Sportplatz, hier wurde die offizielle Zwischenzeit genommen.

 

Grunewald Marathon 2014-04-05 #5

 

Wie ging es mir nun? Mit Puls 66 stand ich am Start, also ich war entspannt. Ich freute mich einfach nur auf den Lauf. Kopfzerbrechen bereitete mir vorher nur die Klamottenwahl: Jacke an oder aus? Viele Läufer waren in kurz/kurz, ich war in lang/lang mit Handschuhen. Ich bin da wohl etwas empfindlicher… 😉 Die Jacke blieb jedenfalls an, und das war dann auch gut so. Das Wetter war fast optimal, etwas weniger Wind hätte es sein können. Aber insgesamt war er doch kein Problem. Vom Start weg fühlte ich mich gut, zwei Tage vorher hatte nur noch etwas Krafttraining gemacht, aber auf das Laufen verzichtet. Ich lief mit zwei anderen Läufern die ersten Kilometer gemeinsam, nach drei oder vier Kilometern gesellte sich noch ein vierter Läufer dazu. Das Tempo war recht flott, und mir war klar, dass es so nicht bis ins Ziel gehen würde. Auf eine Pace-Kontrolle verzichtete ich weitestgehend, ich hatte meine Forerunner wie immer im „5km-Auto-Lap-Modus“. Das hieß für mich, auch nur alle 5 Kilometer einen Blick auf die Uhr zu werfen. Ich rechnete jedoch nicht hoch und stresste mich mit einer Prognose. Nein ich wollte ja nur LAUFEN. Eine Schlussfolgerung zog ich allerdings dann doch aus den Lap-Zeiten: etwa bei Kilometer 12-13 ließ ich meine kleine Gruppe ziehen und nahm Tempo heraus. Eine durchschnittliche Pace von 5.03 in diesem Gelände konnte für mich nicht gut sein…

Dann war ich also allein unterwegs. Sichtkontakt nach vorn, wie auch nach hinten war aber trotz der geringen Starterzahl fast immer gegeben. Spätestens am langen Jammer hätte ich die Kollegen sowieso ziehen lassen müssen. Hier schaltete ich dann vollständig auf den „Rennsteig-Modus“ um: lange Anstiege werden gegangen! 🙂 Oben war dann ein Verpflegungspunkt, das tat gut und im Downhill (der hatte seinen Namen auch verdient!) konnte ich wieder etwas Zeit aufholen. Das kann ich, im Gegensatz zu anderen Läufern, die bergab eher schleichen. Nach etlichen Kurven im Wald führten die Kilometer 16-20 fast nur geradeaus auf einem breiteren Weg. Vorbei am Rennarzt, der seine Augen offen hielt, näherte ich mich dem Waldesrand und damit dem Sportgelände mit Start/Wendepunkt/Ziel. Meine Durchgangszeit wurde notiert, in einer Zeit von 1:49:37 schloss ich den ersten Halbmarathon ab. Das war unerwartet und ich dachte nur so: jetzt hast du in der zweiten Runde 20 Minuten mehr Zeit um unter der 4:00-Stunden-Marke zu bleiben. 😉

 

Grunewald Marathon 2014-04-05 #6

 

Wie erwartet wurde diese zweite Hälfte auch entsprechend schwerer. Oder war es nur der Kopf, der nicht wollte? Einmal ein paar Meter gegangen, schreit der kleine Teufel im Kopf ständig nach einer Gehpause. 😉 Und davon machte ich nun doch einige, nicht nur an den Anstiegen, sondern auch einfach nur so. Eben der „Rennsteig-Modus“: Laufen, Gehen und wieder Laufen. Passend dazu spukte mir ein schöner Spruch im Kopf umher, den ich letzte Woche auf FB gelesen hatte (ich glaube von „gpway“ Ulf Kühne) „Lauf bis es nicht mehr geht, dann geh bis es wieder läuft!!“ – sehr passend und wahr, oder!?

 

Grunewald Marathon 2014-04-05 #7

 

Auch der zweite Halbmarathon war dann vorbei und ich lief nach 3:57:51 ins Ziel. Zufrieden und nicht wirklich kaputt, eher mental waren meine Problemchen (gewesen). Gerade meinen Zieleinlauf verpasste Jule. Sie war für wenige Minuten nicht an der Ziellinie, da „musste“ ich nun gerade einlaufen. 😉 Sie ist auch von meiner Prognose über der 4:00h zu finishen ausgegangen. Platz 16 in der AK und Platz 35 gesamt – beim Marathon in Berlin! :mrgreen: Wer kann das von sich behaupten?

Das war eine sehr tolle Veranstaltung, die gern ein paar mehr Läufer vertragen kann. Aber halt, auch nicht zu viele – dann wird es wieder unpersönlich und kommerziell. Mir fehlte hier keine Läufermesse, oder ein Goodybag mit sinnlosen Proben. Nein, es war hier alles genau richtig! Es gab selbstgebackenen Kuchen, Obst aus dem Bioladen(!), leere und saubere Duschen und freundliche Organisatoren. 🙂 Wenn es in die Jahresplanung für 2015 passt, bin ich hier gern wieder am Start.

Es war der bessere Marathon in Berlin!!! 

Offizielle Bilder gibt es hier und hier. Man sieht den Spaß der Läufer!

 

Einen Nachsatz habe ich aber noch. Der 05.04. war der Geburtstag unseres verstorbenen Cooper. Er wäre gestern 12 Jahre alt geworden. Viele Gedanken an unseren tollen Kerl begleiteten mich während des Laufs. Mach´s gut Kumpel!

 

7 Replies to “Der bessere Marathon in Berlin”

  1. Klasse Bericht! Ich bin auch Freund familiärer Events. Bin einige Jahre den Hexenlauf im Rodgau mitgelaufen; ähnliche Streckenmarkierung! 😉
    Gute Regeneration wünsche ich dir!

  2. Gratulation und danke für diesen tollen Bericht.

    Ich war auch dabei und es war mein erster Marathon überhaupt (36 Jahre alt und vor 7 Jahren war ich übergewichtig und total unsportlich). Einige haben mich gewarnt vor der anstrengenden Strecke mit vielen Steigungen. Die erste Runde lief super. So ab 28 musste ich etwas langsamer laufen und es wurde langsam „ungemütlich“. Ab 33 oder 34 merkte ich, wie die Warnungen zu verstehen waren, ich musste total an meine Grenze gehen und einen fiesen Hügel bin ich sogar rückwärts rauf gelaufen, diese Muskeln waren anscheinend noch nicht so „ramponiert“.
    Aber bis auf vielleicht 3 Minuten Gehpausen konnte ich die ganze Strecke laufen und auch kurz vor dem Ziel war ich noch in der Gegend von 6:20 min/km unterwegs.
    Als ich durchs Ziel lief und der Sprecher meine Zeit ansagte …. 4:03:50 konnte ich es kaum glauben. Viel besser als ich für meinen ersten Versuch erwartet hatte und das noch auf so einer Strecke. Ich war total glücklich. Auch wenn ich mich nach dem Auslaufen erstmal setzen musste… stehen konnte ich kaum noch.

    Ich werde diesen Tag nicht vergessen und ich finde toll, dass der SCB und die ganzen Helfer das möglich gemacht haben. Ein tolles Kontrastprogramm zu den touristischen Massen Events.

    Es wird bestimmt nicht das letzte Mal gewesen sein.

    Christian

    1. Da gratuliere ich dir natürlich auch ganz herzlich zum ersten Finish! Ja die Strecke ist nicht ohne, vor allem weil man ja in der ersten Runde weiß, hier muss ich noch einmal „hoch“… 😉

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