40. Berlin Marathon

Letztes Wochenende im September und Berlin Marathon, dies gehörte die letzten drei Jahre für mich zusammen. Die Betonung dabei liegt auf „gehörte“, aber dazu später mehr.

Gestern also der 40. Berlin Marathon, mein dritter in Folge, wieder bei traumhaften Herbstwetter. Meine Vorbereitung war ein wenig anders als im letzten Jahr, sie war einfach besser. Das Training für die Umrundung der Müritz beim Müritzlauf und der folgende 6 – Seen – Sommer – Marathon schufen ein ordentliches Polster in der Ausdauerleistung. Eine neue Bestzeit war damit aber eigentlich auch ausgeschlossen, entweder lang oder schnell. Oder Supertalent, das bin ich aber nicht. :mrgreen:

Die drei Trainingswochen zwischen dem 6SSM und Berlin füllte der Coach mit einigen schnellen Einheiten, mal waren es Intervalle, mal wiederum Tempodauerläufe. Mir bekamen diese sehr gut, ich steigerte meine Pace merklich. Die Vorfreude stieg, meine Zielstellung bequem unter der 4-Stunden-Grenze zu bleiben, schien gut machbar zu sein. Ende Oktober werde ich wieder in Frankfurt als persönlicher Pacemaker für Freund Rudi starten. Da soll diese Grenze für ihn erstmals fallen…

Der Messebesuch zum Abholen der Startnummer war für Donnerstag geplant. Leider wurde daraus nichts, unsere Hunde mussten dringend zum Tierarzt. 🙁 Freitag war auch keine Zeit, so blieb  dann nur der Samstag übrig. Der Andrang war gewaltig, eine Stunde Wartezeit um seine Startnummer aus dem Drucker zu bekommen muss man nicht wirklich haben. Den neuen Sicherheitsvorschriften dank, musste jetzt jeder Starter persönlich an die Ausgabe. Okay, das war dann auch erledigt. Zu einem Messebummel hat dann aber die Lust einfach nicht mehr gereicht. Zu viele Leute, zu laut, danke, wir fuhren wieder.

Marathon-Sonntag. Mein Wecker klingelte um 4.45 Uhr, eine normale Zeit zum Laufen unter der Woche. Heute ging es aber darum, gut und in Ruhe zu frühstücken, um anschließend rechtzeitig in Berlin zu sein und noch einen vernünftigen Parkplatz zu bekommen. Dies klappte reibungslos. Ich hatte dann noch ausreichend Zeit meinem anderem Hobby, dem Geocachen, nachzugehen und eine Dose zu loggen. 😉 Bei einer Temperatur von 4 oder 5 °C machte ich mich um kurz nach 7.00 Uhr zum eingezäunten Gelände zwischen Reichstag und Kanzleramt auf. Die Eingänge wurden von 6 im Vorjahr auf 2 in diesem Jahr reduziert. Es erfolgte die Kontrolle der Startnummer und des Sicherheitsarmbandes, welches auf der Messe jedem Starter umgeklebt worden war. Das Areal war auch etwas anders aufgebaut worden, durch mein zeitiges Erscheinen hatte ich aber keine Probleme. Die Kleiderabgabe und der Weg in den Startblock gingen zügig von statten. Unter einem Plastik-Overall fror ich dann die verbleibende Zeit im Startblock F vor mich hin…

 

M Berlin 2013 #1

 

Der Block F wird erst mit dem zweiten Startschuss auf die Strecke geschickt. Nachdem die erste Welle unterwegs war, wurden wir zum Start vorgeführt. Ich stand dann in der 4. oder 5. Startreihe und hatte einen guten Blick auf die auf der Tribüne versammelten ehemaligen 7 Marathonweltrekordler, die in Berlin ihren WR liefen. Darunter war auch Haile Gebrselassie, der vorher den ersten Startschuss abgab. Schön! Gestartet wurden wir um 8.55 Uhr, zehn Minuten später als die erste Welle. Das Rennen begann.

 

M Berlin 2013 #2

 

Ich fühlte mich gut und die ersten Kilometer verflogen. Nach kurzer Zeit nervten meine Fußgelenke etwas, aber das kenne ich schon und dies ist auch nie von langer Dauer. Also normal weiter und den Blick auf den rechten Seitenrand gerichtet, da sollte Gudrun von den „Sprintefixen“ zwischen Kilometer 5 und 6 stehen. Tatsächlich sah ich sie und ein Foto war auf ihrer Kamera… Die Gelenke fügten sich ihrem Schicksal, und ich hatte tolle Kilometer durch den Ostteil der Stadt. Die Pace war super, ich verzichtete aber, einen ständigen Blick darauf zu haben. Bei Kilometer 17 lief meine Schwester auf mich auf. Eine Überraschung für uns beide! Sie war sehr gut unterwegs, und ich wollte mein Tempo nicht anziehen, daher verabschiedeten wir uns auch nach wenigen Hundert Metern wieder. Mein Rennen lief normal weiter bis ca. Kilometer 22. Ab dort merkte ich einen Leistungsverlust, eine kleine Krise bahnte sich an. Ich drückte mir mein einziges verfügbares Gel hinein – wohl etwas zu spät! Dies musste ich eindeutig im Nachhinein feststellen. Ich rettete mich zur nächsten Verpflegungsstelle und trank dort den Iso-Drink, zusammen mit dem Gel wurde es langsam wieder besser. Bei Kilometer 27 werden dann ja die gesponserten Gele verteilt, hier holte ich mir für das restliche Rennen genügend Nachschub. Mein Gefühl wurde wieder besser und schließlich auch wieder richtig gut. Sooo weit war es ja nun auch nicht mehr. Das nächste Ziel war der Ku´Damm, dort steht traditionell der Coach mit Megaphon und seinem Schild „Heul doch!“. Ein „Sehen“ und „Gesehen werden“ klappte bestens, nur die Kommunikation leider nicht… 😉

Noch 8 Kilometer. Jetzt Achtung: irgendwann sollte jetzt die Erdinger „Motivationswand“ kommen. Hier hatte Jule für mich einen Spruch hinterlegt. Ich war gespannt! Leider, leider waren wohl mit mir zu viele Läufer gleichzeitig über die Aktivierungsmatte gelaufen, so dass ich meine Nachricht („Gib Gummi Feuerraeder, ist nicht mehr weit!“) nicht angezeigt bekam. 🙁   Schade!

 

M Berlin 2013 #3

 

Die letzten beiden Kilometer, Zeitkontrolle: das wurde knapp! Also noch einmal aufraffen, das 2.Ziel war noch erreichbar. Ich war mit drei Zielen ins Rennen gegangen: dem Minimalziel (<4.00h), dem Hauptziel (<3.50h) und dem Traumziel (<3.45h). Potsdamer Platz, Leipziger Straße, der letzte Versorgungsstand und dann das Schaulaufen auf der Straße Unter den Linden. Das Brandenburger Tor passiert, noch einmal Zeitkontrolle. Auf den letzten 400 Metern legte ich noch einen ordentlichen Endspurt hin! Nach 3:49:51 konnte ich meine Garmin-Uhr stoppen! Geschafft! Happy!

 

M Berlin 2013 #4

 

Lange Meter bis zu den Medaillen, noch längere Meter bis zu den ersten Getränken. Vom Weltrekord hatte ich bereits auf der Strecke erfahren, hier sah ich die Zeiten an einer Laterne angeheftet. Sauber! Kurze Nachricht an Jule daheim, dann gab es endlich das erste Erdinger Alkoholfrei. Die Massageliegen waren hoffnungslos überfüllt, so legte ich mich einfach nur ein wenig in die Sonne auf der Wiese vor dem Reichstag. Ein anvisiertes Treffen mit Fred und Gudrun von den „Sprintefixen“ klappte dann auch nicht mehr, ich wollte nach Hause und die Beine hochlegen. Jule wartete mit Kaffee und Kuchen… 🙂

 

M Berlin 2013 #5

 

 

Fazit und warum es erst einmal bei drei Teilnahmen in Berlin bleiben wird:

Tolle Organisation, viele viele engagierte Helfer. Danke! Tolle Strecke, viel Stimmung, jede Menge Leute am Rand. Etliche Bands und private Beschallung von Balkonen aus. Aber über 40.000 Läufer sind eben eine Menge Leute. Ich war bis zum Finish immer in einem relativ dichtem Läuferfeld. Ständig musste ich mich mit anderen Leuten „auseinandersetzen“, überholen, überholt werden, gedrängt, ausgebremst, geschoben. Dies war mein emotional bewegendster  Berlin Marathon (das doppelte Finish in 2012 einmal ausgenommen!!), ich bekam von ALLEM viel mehr mit. Aber die Läufe am Rennsteig, der Müritz oder auch im Pitztal bieten einfach eben soviel oder mehr. Es wird Zeit, neue Strecken zu erlaufen. Nächstes Jahr im Herbst stehen weder Berlin noch Frankfurt auf dem Plan, nein ein Hotelzimmer in München ist bereits gebucht! 🙂 Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen, teils vollkommen unsinnig (z.B. blaues Band), das neue „Losverfahren“ zur Startplatzvergabe und die Preispolitik des SCC machen mir diese Entscheidung leichter. Und in der näheren Umgebung gibt es auch noch ein paar schöne Landschaftsmarathons, die nun in den Fokus gerückt werden können, wenn der feste Termin in Berlin ignoriert werden kann. Ich freue mich darauf! 😉

 

 

3 Replies to “40. Berlin Marathon”

  1. Hi Heiko, schönner Bericht und coole Fotos.
    Und Marathonrennen gibt es echt genug!
    PS: Auch in Luxemburg! 😉

  2. Sehr schöner Bericht! Ich kann Deine Entscheidung aber gut verstehen. Ich habe für mich die selbe Entscheidung getroffen. Landschaftsläufe sind entspannter, preiswerter, persönlicher, ruhiger UND es hat Landschaft. Es reitzt mich zwar immer mal wieder zu sehen,was ich so für Zeiten könnte. Aber wenn ich dann wieder an meine Erlebnisse und deinen Bericht denke, komme ich gut ohne aus!

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