Wieder am Gletscher vorbei

Der läuferische Höhepunkt während unseres Tirolurlaubs fand gestern statt. Ich startete beim 8. Gletschermarathon im Pitztal. Wie schon im Vorjahr, passte ein Start hier sehr gut in unsere Urlaubspläne. Jule konnte diesmal leider nicht starten, im letzten Jahr hatte sie den Run-und-Fun-Lauf bestritten.

Die Besonderheit ist hier eindeutig das Höhenprofil: neben 330 Metern aufwärts, geht es jedoch 1180 Meter abwärts! Ein völlig anderer Lauf, mit entsprechend anderer Belastung der Muskulatur. Wer glaubt, hier eine neue Bestzeit aufstellen zu können, der sollte sich das letzte Wochenende im Juni 2014 freihalten und nach Mandarfen zum 9. Gletschermarathon kommen! 😉

 

Gletschermarathon Strecke

Quelle: Pitztalmarathon

 

Und noch eine Besonderheit, jedoch nur für mich, gab es diesmal. Nach einer Anfrage am Samstag Abend erklärte ich mich kurzentschlossen bereit, als Guide mit dem blinden Trailrunner Didi zu laufen. Wir kannten uns aus dem Jahr 2012 vom Rennsteig-Supermarathon, dort lief ich mit Didi in einer kleinen Läufergruppe, er wurde dabei jedoch von Steffen Kohler (Runningfreaks.de) geführt.

Didi reiste nach meiner Zusage in abenteuerlichen Weise Nachts nach Imst an, und schaffte es gerade so noch zur Abfahrt des Shuttlebusses! Respekt, denn die Zugfahrt, wenig Schlaf und dann noch der Weg vom Bahnhof waren keine gute Ausgangsbasis. Man muss schon etwas verrückt sein, um 20.16 Uhr anzufragen, um 20.18 Uhr die Zusage zu erhalten, und dann bereits um 21.05 Uhr im Zug zu sitzen… Der Didi ist es, auf eine sympathische Art! 🙂

Während der fast einstündigen Busfahrt zum Start tauschten wir uns erstmal aus. Es gab ja einiges zu besprechen und noch zu (er)klären. In Mandarfen am Startort erledigten wir schnell die Formalitäten. Ich musste nur meine Unterlagen abholen, Didi war ja nicht gemeldet und so füllte ich seine Unterlagen rasch aus. Er erhielt sogar einen Freistart – eine nette Geste des Veranstalters!

 

Gletschermarathon #1

 

Weiter ging es zu Thomas Bosnjak, Österreichs bestem Trailrunner. Er war gerade in Mandarfen, um ein Vorbereitungscamp für den Trail Maniak in zwei Wochen durchzuführen. Ein paar Worte, ein paar Fotos und weiter, wir mussten uns ja noch umziehen, Toilette, Sachen abgeben…

Das Wetter meinte es richtig gut! Oben in Mandarfen war es bei ca. 6°C noch etwas frisch, aber kein Regen und nur leichte Bewölkung. Es versprach, nach einer wirklich schlechten Woche, endlich mal ein toller Tag zu werden.

 

Gletschermarathon #2

 

Wir waren rechtzeitig am Start, der dann aber in österreichischer Gelassenheit nicht pünktlich erfolgte. Nach einem Kanonenschuss ging es los, die ersten Kilometer dann stramm bergauf in Richtung der Talstation der Bergbahn. Eine Schleife am Talende und wir liefen zurück nach Mandarfen und nun auf die Straße. Dies blieb dann bis zum Ziel auch so. Das kleine Feld von ca. 220 Läufern zog sich rasch auseinander, wir hatten es auch nicht eilig. Didi wollte für seinen Bericht auch immer wieder Fotos machen. Mal knipste ich, mal Didi selbst – so waren die ersten landschaftlich genialsten Kilometer schnell vorüber. Der Blick zurück zum Gletscher ist wirklich spektakulär!

Während ich nicht so viel während eines Laufes „konsumiere“, nutze mein Laufpartner jede Verpflegung aus. Didi hatte etwas mit dem für ihn ungewohnten Untergrund zu kämpfen. Normalerweise ist er auf den Naturtrails zu Hause. Aber ich hatte ihn gewarnt! 😉 Die Pausen an den zahlreichen VP´s taten also gut. Immer wieder wurden wir überholt, oder wir überholten selbst. Die Läufer um uns herum hatten auch ihr Tempo gefunden.

 

Gletschermarathon #3

 

In den Ortschaften standen einige Zuschauer, hier wurde applaudiert, aber auch der ein oder andere Spruch abgegeben. Bezugnehmend auf das Seil hörte ich öfter den Spruch „Wenn einer nicht mehr kann, zieht der andere ihn…!“, meist verstummten die Leute, wenn sie das „Blind“- oder das „Guide““-Schild sahen… Auch eine neue Erfahrung für mich!

Die Kilometer wurden weniger, die Stimmung war und blieb super. Ich fühlte mich ausgesprochen wohl und hatte keine großen Probleme. Kurzentschlossen nach einem Testlauf am Freitag, aber auch nach der Zusage an Didi,  hatte ich meine neuen Salomon angezogen. Die rechte Fußinnenseite scheuerte ab Kilometer 18 etwas. Daraus wurde dann eine Blase, wie ich abends feststellte. Na dafür sind die Schuhe jetzt aber eingelaufen! 😉

Von der Strecke gab ich ab und an eine Statusmeldung an Jule ab. Sie war mit unserem Eddie in Imst geblieben und überbrückte die Wartezeit mit einem großen Spaziergang, Kaffee trinken, Läuferanfeuern an der Strecke und Lesen. Unser Hund war etwas irritiert ob der Ruhe nach den Tagen vorher, die immer mit Wanderungen ausgefüllt waren. Aber es tat wohl auch mal ganz gut…

 

Gletschermarathon #5

 

Als wir den letzten Anstieg kurz vor dem Ziel am Sportzentrum in Imst überwunden hatten, wartete dort Jule auf uns und fotografierte! Direkt am Ziel wird es den Begleitern nicht leicht gemacht, in eine gute Position zu kommen. Daher gibt es dort auch kein Foto von uns. Nach 4:45:59 überliefen Didi und ich die Ziellinie! Jule war gleich da, ein paar Fotos wurden geknipst und ein Erdinger getrunken. Ich hatte meinen ersten Lauf als Guide erfolgreich gemeistert!

Dann folgte noch eine kleine Tortur: die abgegebenen Taschen und Duschen waren nur über eine Treppe erreichbar. Dies hat kein Marathon-Läufer verdient… 😉

Außerdem passierte für mich noch ein kleines Wunder: ich hatte meine geliebte leichte Laufjacke nach einigen Kilometern ausgezogen, klein verpackt und mittels daran befindlichem Karabiner an das Startnummernband gehangen. Kurz vor der Halbmarathondistanz merkte ich dann das Fehlen dieses winzigen, leichten Päckchens. 🙁 Das war sehr ärgerlich und wurmte mich schon einige Zeit lang, bevor ich es erst einmal aus meinen Gedanken verbannen konnte. Ich hoffte insgeheim auf ein Auffinden durch die Streckenkontrolle des Veranstalters und wollte entsprechend nachfragen. Dann kamen Didi und ich zum Shuttle-Bus in dem unsere Taschen noch deponiert waren. Dort saß eine Läuferin auf den Einstiegsstufen und neben ihr lag mein Jackenpäckchen!! Sie war wohl einiges hinter uns gelaufen und hatte die Jacke fast 25 Kilometer mit sich getragen, um sie dann im Ziel abzugeben! Eine riesen Freude für mich, und auch hier noch einmal großes „DANKE!“ an die Unbekannte.

Dies war ein toller Abschluss des Gletschermarathons. Didi brachten wir dann noch zum Bahnhof und wir fuhren zurück nach Galtür in unsere Ferienwohnung. Nach dem Auffüllen meiner Speicher unternahmen wir abends noch einen schönen Spaziergang durchs Tal, endlich gutes Wetter in unserem Urlaub!

 

Galtür #1

 

Heute gab es zur Regeneration eine Wanderung „nur“ bergauf. 10 Kilomter mit fast 400 Höhenmetern. Für den Rückweg war der Bus dann zuständig… 😉

 

Fazit: Wieder ein schöner Marathon, da in einer traumhaften Umgebung. Die Höhenmeter spielen auch bergab eine Rolle. 😉 Als Guide habe ich mich, glaube ich jedenfalls, bewährt. Didi wird ja auch berichten… Es war eine tolle Erfahrung, und ich nehme viel davon mit. Gelernt habe ich über mich selbst auch einiges, der Verzicht auf eine neue persönliche Streckenbestzeit im Pitztal war es wert!