Hase und Igel auf der Marathondistanz – oder Frankfurt 2012!

Peng! Schon wieder vorbei. Warum vergehen solche Höhepunkte immer viel zu schnell, während die Wochen davor und danach sich wie Kaugummi ziehen? Kurzum, wir waren am Wochenende in Frankfurt zum Marathon. Und hier ist mein Bericht dazu:

Nach unserem eigenen 6 – Seen – Sommer – Marathon und dem Berlin Marathon, stand nun Frankfurt an. 3 Marathons in 8 Wochen, kein schlechter Schnitt. Wir waren seit langem mit Freunden verabredet, aber es kam doch wieder etwas anders. Ursprünglich wollte ich mit Jens aus Kassel zusammen laufen, und ihn wenn möglich endlich unter die 4- Stunden- Marke ziehen. Verletzungsbedingt musste er aber schon vor längerer Zeit dieses Ziel verwerfen. Gute Besserung Jens, bis zum 10. Weihnachtsmarathon ist es nicht mehr lang hin, da musst du einfach wieder fit sein!

Im Sommer hatten wir Besuch von Petra und Rudi aus Dortmund. Im letzten Jahr ist Rudi seinen ersten Marathon in Frankfurt gelaufen. In diesem Jahr wollte er dort wieder an den Start, und seine Zeit wenn möglich etwas verbessern. Wir verabredeten uns schon mal locker für einen gemeinsamen Start. In den folgenden Wochen wurden die Pläne dann konkreter, ein Treffen in Düsseldorf Anfang September besiegelte für mich meine Entscheidung. Ich glaube, Rudi war da etwas skeptischer, ob dieses Vorhaben gelingen würde. Seiner Meinung nach, lagen die Zielzeitvorstellungen  zu weit auseinander. Aber ich bin doch anpassungsfähig! 😉 Petra und Jule hatten sich als Supporter-Team verabredet. Bei Katrin aus Mainz waren wir alle zum Carboloading eingeladen. Das konnte also nur ein tolles Wochenende werden! Soweit die Vorgeschichte.

 

Unsere Anreise nach Frankfurt am Samstag war durch den Wintereinbruch in Teilen Deutschlands betroffen. In Sachsen und Thüringen fielen mehrere Zentimeter Schnee, wir hofften auf trockene Verhältnisse in Frankfurt. Glücklicherweise hörte in Nordhessen der Schneefall auf, und am Ziel war es nur grau und windig. Die günstige Lage unseres Hotels erlaubte uns noch einen kleinen Bummel über die Marathon-Messe, dann wurden wir auch schon von Petra und Rudi abgeholt. Gemeinsam ging es nach Mainz, wo Katrin uns mit leckerem Kuchen und später mit Nudeln und Salat verwöhnte. DANKE!

 

 

Wir diskutierten nochmal unsere Renntaktik, die Treffpunkte an der Strecke und alle zeitlichen Aspekte des Marathon-Tages. Mit vollem Bauch und guter Stimmung fuhren wir zurück ins Hotel. Katrin und Rudi wollten schon recht früh vor Ort sein, um genügend Zeit für Kleiderabgabe und Sonstiges zu haben. Ich dagegen wollte mich erst ca. eine halbe Stunde vor dem Start der ersten Welle einfinden. So wurde es dann auch gemacht. Mit Katrin telefonierten wir nur kurz, sie wollte ebenso versuchen eine neue persönliche Bestzeit aufzustellen. Petra und Rudi erwarteten uns am Start. Gemeinsam ging es in den Startblock – doch irgendwie waren wir wohl beide „zufällig“ falsch. 😉 Rudi zu weit vorn, ich zu weit hinten – aber zur (von mir intern) anvisierten Zielzeit genau richtig!

Die zweite Welle „schubste“ uns auf die Strecke, und der Spaß begann! Anders als in Berlin bewegte sich das Feld sehr homogen vorwärts. Keine „Haken-Schlager“, oder „Power-Walker“ – das war natürlich für die Findung der eigenen Pace sehr gut. Etwa 100 Metern hinter dem Start sagte ich noch zu Rudi, dass es mein Plan wäre, immer einen halben Schritt hinter ihm zu sein. Wenn ich doch zu schnell werden würde, solle er mich ruhig ermahnen. Das war aber nur mein Plan, denn in Wirklichkeit bin ich wohl nur wenige Meter hinterher gelaufen, ansonsten war es genau anders herum. 🙂 Wenn wir nicht auf einer Höhe waren, so war er immer kurz hinter mir – okay, also machten wir es so. Als gebürtiger Frankfurter konnte mir Rudi natürlich die Orte erklären, an denen wir vorbei kamen. Ich hatte mein persönliches „Sight-Running„. Toll!

 

 

Gespannt war ich auf die vielen Ecken und Schlaufen um die Alte Oper herum. Aus der TV-Übertragung des letzten Jahres kannte ich einige Streckenabschnitte  bildlich schon ganz gut, aber wie wird das im Original sein? Ich fand es okay, auch später auf den letzten Kilometern noch. Wenn ich dann jedoch schon auf „dem Zahnfleisch“ gelaufen wäre, hätte meine Meinung sicher anders ausgesehen. Petra und Jule jubelten uns bei Kilometer 6 und 9 zu, die Zeit verging schnell und die Kilometer liefen sich so weg.

 

 

Wir waren wirklich gut unterwegs, als ob wir ständig zusammen liefen. Vor den Versorgungsstellen stimmten wir uns kurz ab, komischerweise waren wir immer einer Meinung. Ich wusste das unsere Pace schneller war, als Rudi für sein „Traumziel“ benötigte. Er selbst lief ohne Uhr, und ich vermied auf meine zu schauen. Lediglich an der Halbmarathon-Matte stoppte ich die Rundenzeit. Ein kurzer Blick und die Frage: „Willst du es wissen?“ – ja, er wollte. Mit 2:06:46 bedeutete dies für Rudi schon mal eine neue PB über die HM-Distanz! Nach kurzer Freude und vielleicht auch unbewussten Anziehen des Tempos meinerseits, bekam ich dann gleich die Quittung: „Das mit dem negativen Split war Katrin, nicht ich!“. :mrgreen: Okay, aber es lief weiter richtig gut. Die Kilometer zogen sich hier auf der anderen Main-Seite etwas.

Einen kleinen Höhepunkt bescherte die Schwanheimer Brücke: man hatte einen fantastischen Weitblick in Richtung Mainz und den Taunus. Leider blies hier aber auch ein kräftiger kalter Wind, der mich wieder bestätigte, die richtige Kleidungswahl getroffen zu haben. Danke hierbei auch an Jule für die Tipps am Morgen. 😉 Es folgten nun die Kilometer durch Höchst, bevor es auf die „berüchtigte“ Mainzer Landstraße ging. Boah, war das hier ätzend! Nur durfte ich mir nichts anmerken lassen, wir waren immer noch auf „Traumzeit-Kurs“, den wollte ich nicht gefährden. Wir sammelten hier schon eine erhebliche Menge an Läufern ein, denen es nicht mehr so gut ging. Bei uns lief es aber weiterhin super.

Endlich in der Innenstadt, die letzten Kilometer brachen an. Wieder an der Hauptwache vorbei, die Schleifen um die Alte Oper und dann war der Kilometer 40 erreicht. Ein letztes Mal eine Versorgungsstelle genutzt, um mit riesiger Vorfreude in Richtung „Hammering Man“ zu laufen. Wir hatten es geschafft, jetzt gab es kein Halten mehr. Kilometer 41 und 42 wurden nochmals etwas angezogen, um dann auf der Zielgeraden das Tempo wieder rauszunehmen und sich der Stimmung auf den finalen Metern hinzugeben. Wir wollten es nur noch genießen!  Für mich brachte das am „Hammering Man“ befindliche Kilometerschild 42 einen dicken Kloß im Hals! Für Rudi brachen die Dämme auf dem roten Teppich in der Festhalle, er vollführte einen regelrechten Freudentanz! Yeah, wir waren im Ziel! 🙂

 

 

UND wie! Mit einer Zeit von 4:22:24 waren wir fast auf den Punkt 30 Minuten schneller, als Rudi hier 2011 gelaufen ist! Beim zweiten Marathon hatte Rudi alle seine Ziele erreicht, ja sogar die „Traumzeit“ von 4:30:00 pulverisiert. Dabei waren noch so viele Reserven vorhanden, dass da in Zukunft noch einiges gehen kann! Ich möchte meinem Kumpel hier in Anlehnung an einen Spruch vom Streckenrand zurufen: „Rudi, gönn dir Ehrgeiz!„. :mrgreen:

Das Wetter zwang uns den Nachzielbereich ziemlich schnell zu verlassen. Es war zwar perfekter blauer Himmel, aber windig und kalt. Petra und Jule nahmen uns in Empfang – schön! Ursprünglich wollten wir versuchen, uns mit Katrin und Otti samt Staffelteam nach dem Lauf zu treffen. Uns zog es aber doch in die warme Dusche bzw. Badewanne, so dass es nur bei schriftlichen bzw. telefonischen Glückwünschen blieb. Zum gemeinsamen Feiern am Abend war die Verabredung aber längst erfolgt! 😉 Wir füllten unsere Speicher bei einem guten Italiener, und genossen unser erfolgreiches Wochenende. Rudi war immer noch überglücklich über die tolle Verbesserung, aber viel mehr noch über die Art und Weise des Erreichens. Gemeinsam und ohne wirkliche Qual sein Ziel zu verwirklichen, ist einfach schön!

Nun war das Wochenende schon fast wieder vorbei, jedoch nur fast! Wir hatten alle am Montag noch frei, so dass wir uns kurzerhand am Vormittag zu einem Altstadtbummel verabredet hatten. Jule wollte sich von Petra und Rudi noch die Kleinmarkthalle zeigen lassen, und auch ein anderes Frankfurter Original stand auf der Tagesordnung: das Gewürz- und Teehaus Schnorr. Beides ist mehr als zu empfehlen! Die angepriesene „Frankfurter Grüne Soße“ wird es heute Abend bei uns geben, ich bin schon gespannt.

 

 

Jule ging aber erstmal morgens eine Runde am Main laufen. Ich nutzte die Zeit auch, um mir die steifen Glieder etwas zu lockern und nebenbei den ein oder anderen Geocache zu loggen. Nach dem Frühstück wurden wir wieder abgeholt und die kleine Einkaufsrunde startete. Ein Besuch im Kaffeehaus beschloss dann doch unseren Aufenthalt und es ging die 600 Kilometer wieder nach Hause.

Wie immer nun noch mein Fazit: ein extrem tolles Wochenende mit ganz lieben Freunden und ein schöner City-Marathon. Ganz herzlichen DANK für ALLES!!!

 

runalyze.de    42,8 km Wettkampf    am 28.10.2012

4:22:26    6:08/km    143bpm    82 hm