Ein kleiner Ultra in Berlin

 

Letztes Wochenende im September, Berlin, 30.09.2012 – was steht da auf dem Plan? Klar der 39.Berlin Marathon.

Im Jahr 2011 bin ich hier erstmals an den Start gegangen und bin meine noch existente Marathon-Bestzeit gelaufen. Die Laufsaison 2012 wollte ich ursprünglich ähnlich aufbauen. Im Mai war mein Ultra-Debüt beim Rennsteig-Supermarathon, in Berlin wollte ich wieder auf Tempo gehen und versuchen meine PB zu verbessern. Aber es kommt ja meist doch anders als geplant, und das ist auch eigentlich gut so. Zum einen kommen neue Läufe auf den Plan, zum anderen muss die Form auch stimmen. Beide Punkte widersprachen einem ernsthaften Versuch die nächste Schallmauer zu knacken.

Nach dem Gletschermarathon und unserem eigenen 6-Seen-Sommer-Marathon am 01.09.12 waren nun vier Wochen vergangen, in denen Regeneration und Tempotraining passen sollten. Innerlich hatte ich mich damit aber sehr gut arrangiert, keinen Versuch auf „Biegen und Brechen“ zu unternehmen. Soooo wichtig sind mir die Zeiten nicht mehr. In weiteren vier Wochen steht der Frankfurt Marathon an, und den möchte ich auch genießen können.

Marathon-Sonntag: zeitiges Aufstehen und zeitiges Malheur – meine Brille nahm einen Schaden. Irgendwie musste ich sie reparieren, das funktionierte auch dank Sekundenklebers. Das nächste unerfreuliche Ereignis – mein Garmin Forerunner wollte nach einem Ladevorgang erst nicht mehr starten, dann zeigte der Akku 0% an. Das ging ja heute richtig gut los! 🙁 Trotzdem ließ ich mir die Stimmung nicht ernsthaft vermiesen. Dann lief es aber erstmal wieder gut. Wir fanden einen sehr guten Parkplatz, noch dazu kostenlos. 😉 Zeit genug hatten wir auch noch, ich hatte aus dem Gedrängel vom letzten Jahr gelernt. Wir telefonierten mit Gudrun und Fred aus Rostock, die steckten aber noch in der S-Bahn. Also fand kein Treffen vorher statt, ich wollte nicht warten. Kleiderabgabe, leerer PiPi-Container und ein Gang ohne Geschiebe in den Startbereich folgten. Alles ganz entspannt, tolles klares Wetter noch dazu.

 

 

Die Zeit verging, die erste Welle startete. Da ich im Block F war, galt für mich erst der zweite Startschuss. Wir wurden langsam zum Startbogen herangeführt und um 9.08 Uhr auf die Strecke geschickt. Es ging also los! Mein Kopf war frei, ich fühlte mich gut und ich freute mich auf den Lauf! Das Tempo auf den ersten Kilometern empfand ich als nicht zu hoch, klar mussten einige ihre Haken schlagen, aber insgesamt war es doch recht homogen. Bei Kilometer 5 sah ich dann Gudrun und Roland am Rand stehen und später bei Kilometer 10 konnte ich Claudia, Steffi und Christoph abklatschen. Auch später erkannte ich einige vertraute Gesichter am Rand – nicht zuletzt den Coach, mit Cola wartend, bei Kilometer 33,5.

Die ersten 15 Kilometer vergingen sehr schnell, ich hatte ein vermeintlich gutes Tempo gefunden. Es rollte ganz prächtig. Nach der für mich ersten Verpflegungspause änderte sich mein Gefühl aber. Irgendwie bekam mir die Flüssigkeit nicht so richtig. Ich verzichtete daher bei der nächsten Möglichkeit und pegelte mich auf jeden zweiten Stand ein. Zusätzlich merkte ich jetzt mehr und mehr meine Oberschenkelmuskulatur. Ein Gefühl, welches ich sonst nicht kannte. Es wurde hart und härter. Meine angepeilte Finisherzeit geriet mehr und mehr ins wanken. Schließlich korrigierte ich immer wieder nach… 😉  Aber die Stimmung blieb erhalten, es machte trotzdem Spaß, den Berlin Marathon zu laufen. Und das ist ja nun mal die Hauptsache!

 

 

Etwas an meinem Tempo musste ich aber ständig beachten: allzu viel Zeit durfte ich nicht vergeuden, denn ich hatte ja noch eine Mission zu erfüllen! Ich finishte nach 4:03:33 und damit fast eine halbe Stunde langsamer als an gleicher Stelle im Jahr 2011. Nun begann meine „Mission“! Nach der Medaillenübergabe musste ich so schnell wie möglich aus dem Nach-Ziel-Bereich heraus. Ich hatte Glück, es wurde gerade ein Tor für einen PKW geöffnet und ich konnte mit hindurch. Mit einer Folie um die Schultern, der Medaillie um den Hals, aber mit trockener Kehle machte ich mich auf den Weg zum Potsdamer Platz. Dort wollte ich die Begleitung für die letzten harten Kilometer einer Marathon-Debütantin übernehmen! Wir waren verabredet, ich hatte jedoch keine Ahnung, ob alles so klappen würde. Eigentlich hätte ich mich nach dem Zieleinlauf per Telefon melden wollen, aber da schlug mein „Glück“ heute wieder einmal zu: der Akku mit aktivierter „Running-App“ hatte es nicht geschafft, den Lauf durchzuhalten. Ich rechnete und hoffte nur noch.

Angekommen am Potsdamer Platz „wanderte“ ich den Läufern entgegen und setzte mich in Höhe des Kilometerschildes „38“ auf den Rasen in die Sonne. Ich wusste nun nicht, hatte ich noch Zeit, oder war ich schon zu spät? Nach einer Weile hielt es mich dann aber doch nicht mehr auf dem Rasen, ich lief weiter und das war auch gut, denn die einsetzende Steifheit konnte ich noch nicht gebrauchen. Zwischen Kilometer 38 und 37 sah ich jemanden Winken – richtig, alles war gut, ich hatte meine Debütantin gefunden! Sie lief einen guten gleichmäßigen Schritt und außer an den Verpflegungsstellen waren keine Gehpausen nötig gewesen. Klasse! Ich hatte erst etwas Mühe mich auf das Tempo einzustellen, aber dann ging es ganz gut. Gemeinsam liefen wir die letzten 4,5 Kilometer ins Ziel! Der zweite Einlauf für mich heute war aber der emotionalere! Ich freute mich so mit dem ersten Marathon-Finish mit!

 

 

Nun erklärt sich auch der Titel dieses Beitrages: mein eigener Marathon, der Weg vom Ziel zum Potsdamer Platz zurück, und die gemeinsamen Kilometer brachten mein Kilometerkonto auf 49,xx Kilometer. 🙂 Das Ganze aber in einer unmöglich vorhersehbaren Art und Weise. Klar wäre ich gern „dichter“ an meiner Zeit vom letzten Jahr geblieben, zumindest aber unter den 4.00 Stunden. Aber was soll´s? Die Freude beim zweiten Einlauf wiegt das alles mehr als auf! 🙂 Und „Pssst, nicht verraten“: ich habe jetzt zwei Medaillen… :mrgreen:

Der Vollständigkeit halber seien noch die restlichen Pannen vom Renntag erwähnt. Im Zielbereich wurde langsam angefangen aufzuräumen. Ich nahm meine „Betreuung“ natürlich ernst, und so gingen wir erst zur Damenkleiderverwahrung. Nach etwas Ruhe und dem Umziehen meiner Begleitung wollte ich nun meinen Kleidersack abholen, aber da war nichts mehr! Ein netter Brite erklärte mir, wo ich jetzt suchen könnte. Ich musste wieder über den halben Platz zurück, die restlichen paar Hundert Säcke wurden zentral ausgegeben. Nur meiner war nicht auffindbar! Na toll! 🙁 Viele nette Helfer waren noch vor Ort, aber das änderte erstmal nichts. Nach einer gefühlten Ewigkeit, kam dann noch ein Sammelfahrzeug mit meinem Kleiderbeutel an Bord. Puh, nochmal Glück gehabt.

Das überraschende Fazit: auch im Jahr 2013 werde ich in Berlin am Start stehen! Auf ein neues, eindrucksvolles Erlebnis vertrauend! 😉

 

4 Replies to “Ein kleiner Ultra in Berlin”

  1. Sehr schöner Bericht und Hut ab vor der Leistung.
    Dieses Jahr konnte ich nun auch endlich an den Start gehen. Bis km 37 lief alles einigermaßen gut im 6er Schnitt, dann meldete sich mein Kreislauf und ich musste den Rest gehen. Total gefrustet und ohne Pippi in den Augen gefinisht mit 4 Stunden 30 Minuten. Hatte ich mir anders vorgestellt. Vielleicht klappt es ja in Hamburg :-). Nächste Läufe: Grand 10 und Marathonstaffel auf dem Tempelhofer Feld. Seid ihr dabei?
    Liebe Grüße Kanu-Tom

  2. Hallo Tom,
    du bist ins Ziel gekommen, herzlichen Glückwunsch! Beim nächsten Mal läuft sicher alles besser, ohne Frust.
    Vielleicht sehen wir uns ja zu deinen genannten Wettkämpfen, ich laufe in jedem Fall beide mit, Heiko wahrscheinlich nur den Asics.
    Bis dann, LG Jule

    1. Danke Jule, vielleicht sieht man sich beim Asics. Ich bin bei den Leuten von Hupsis Lauftreff (der mit der Ente) ;-).
      Liebe Grüße Tom

  3. Die zweite Medaille hast du dir auch ehrlich verdient! Das ist schon eine Leistung nach dem Marathon nochmals einige Kilometer zu laufen! Schön das wir uns dann doch noch kurz getroffen haben 🙂 ! LG Fred

Kommentare sind geschlossen.