Ein Lauf über die Höhen…

Rennsteig Supermarathon – Teil 2

40. Jubiläum am Rennsteig, das verhieß nur Gutes. Einige Bekannte laufen seit Jahren hier, viele Berichte findet man überall im Netz. Ich wollte auch! 🙂

Bei der Lauf-Planung im letzten Jahr passte alles schön zusammen, und so erfolgte die Anmeldung – vorerst nur zum Marathon. Das Jahr verging, meine Ziele im letzten Jahr konnte ich verwirklichen, das Training lief gut. Da kommt man halt auf Ideen. Irgendwann um den Jahreswechsel herum eröffnete ich Jule, dass ich im Frühjahr einen 50er laufen wolle. Ich hatte mir alles schon gut zurechtgelegt: die 100km von Grünheide/Kienbaum wo es auch einen 50er gab, im März. Nur passte dieser Termin eigentlich überhaupt nicht! Innerlich wollte ich ja die Supermarathonstrecke am Rennsteig laufen, traute mich aber noch nicht. Dann kam der entscheidende Satz von Jule: “ Wir sind doch sowieso am Rennsteig, die 20km mehr schaffste schon!“  YES! Okay, mir wurde die Entscheidung leicht gemacht, jetzt musste ich die Vorleistungen erbringen. 😉

Der Coach wurde konsultiert, mein Trainingsplan und Wettkampfkalender aktualisiert. Vorerst blieb aber alles bei Freunden und Familie geheim. Das Training wurde umfangreicher, mal lief es super, mal nicht so. Eine Virusinfektion mit kurzem Rückfall forderte eine Pause, insgesamt lief es aber gut.

 

 

Und eeeeendlich kam der 11. Mai, ein Urlaubstag und Abfahrt nach Oberhof. Die Hinfahrt führte zuerst nach Eisenach, ich wollte mir die Startunterlagen nicht erst morgens holen. Wir trafen uns dort bereits mit Heike, welche gemeinsam mit Jule am Start stehen würde. Weiterfahrt nach Oberhof, wo wir uns mit weiteren lieben Freunden in Ferienwohnungen einquartiert hatten. Das obligatorische Carboloading wurde mit dem ein und anderen Rauchbier abgerundet. 😉 Ein Gewitter mit Starkregen ließ uns länger als gewünscht in der Gaststätte sitzen, anschließend musste ich noch die Sachen für den Lauf zurechtlegen. Mir verblieben 3 unruhige Stunden bis zum Weckerklingeln.

Nach Kaffee und Müsli fuhr der Bus um 4.05 Uhr in Oberhof ab. Ich konnte einige witzige Gespräche aufschnappen, die meisten Läufer waren alte Hasen beim Supermarathon. Pünktlich um 5.15 Uhr waren wir auf dem Marktplatz in Eisenach. Ein wenig umschauen und ich begab mich zum Brunnen, dem Treffpunkt. Ja, ich hatte eine Verabredung! 😉 Vor einiger Zeit hatte ich mich mit Gerd verabredet. Gerd wiederum hatte mit den Runningfreaks Melanie und Steffen erfahrene Leute zur Seite. So lernte ich die 3 dann im realen Leben kennen – und? Ich verstand erstmal kaum ein Wort! 😀 Aber wir hatten ja Zeit, viel Zeit. Steffen übernahm noch kurzfristig und ungeplant die Funktion, als Guide mit dem blinden Didi Beiderbeck zu laufen. Unser Team war komplett, bei soviel geballter Power, was sollte da schiefgehen?  Ich war gespannt und voller Vorfreude.

Der Startschuss fiel pünktlich und da wir ja ohne Ambitionen auf die Strecke gingen, ließen wir es gleich ruhig angehen. 72,7 km sind lang, da muss man mit den Kräften haushalten. Die ersten 25 Kilometer gehen auch fast permanent nach oben, eine echte Herausforderung für einen Flachländer. Und so bewegten wir uns innerhalb der etwa 2600 Starter in Richtung Rennsteig, welcher nach wenigen Kilometern auch erreicht wurde. Dann hieß es weiter zum Großen Inselsberg. Die leckeren Verpflegungen an unzähligen Ständen wurden probiert, hier bekam ich meinen ersten „Schleim“! Und der war sowas von lecker… Überhaupt ist die Versorgung der Läufer traumhaft. Es gibt bald nichts, was es nicht gibt. Wasser, Iso, Cola, Tee, Schleim, später Köstritzer; Obst, Zitrone, Salz; Brote mit Schmalz, Butter oder Wurst; warme Würstchen an der Ebertswiese, öfter halbe Knackwürste … Ich habe ein Kilogramm zugenommen! :mrgreen:

 

 

Die Kilometer verflogen, die sprachlichen Barrieren ebenso. Was war das für eine tolle Truppe! Ob ich jemals nochmal soviel quatschen und lachen werde während eines Ultralaufs? Denn eins ist jetzt schon klar, das war der Erste, aber nicht der Letzte. Nach dem Überlaufen der Marathondistanz wurde ich feierlich der „Ultrataufe“ unterzogen. Danke ihr Verrückten!! Ab jetzt wurde jedes Schild dokumentiert: 50km, 55km, 60km… Und wir waren alle noch gut drauf, klar merkte man eine Erschöpfung, aber die gehört doch wohl dazu, oder?

 

 

Dann die letzten Kilometer. Am Bierflecken wurde Köstritzer ausgeschenkt, ein kleiner Schluck konnte nicht schaden. Also her damit! 😉 Weiter abwärts dem Ziel entgegen, bot sich plötzlich beim Verlassen des Waldes ein toller Blick auf Schmiedefeld. Man konnte das Ziel schon „fühlen“! Eigentlich gab es jetzt kein Halten mehr, aber wir wollten die letzten Kilometerchen noch gesittet laufen und nicht noch einen weiteren Sturz riskieren. Denn den hatte Steffen schon erfahren müssen, glücklicherweise ist nichts Schlimmes passiert.

 

 

Gemeinsam ging es durch den ersten Torbogen, man hätte sich schon im Ziel wähnen können, aber ab hier sind es noch 1086 Meter bis zum „schönsten Ziel der Welt“. Die Lautsprecheransagen wurden lauter, Beifall war zu hören. Es war zwar nun nicht gerade mehr brechend voll, aber die Zuschauer an den Absperrungen feuerten dafür umso stärker an. Ich hielt nach Jule Ausschau, als erstes sah ich jedoch Gudrun mit ihrer Kamera stehen. Dann kamen auch Jule und Fred in Sichtweite und schließlich war es geschafft: ich überlief inmitten guter Freunde die Ziellinie zum ersten ULTRA-Lauf meiner Läuferkarriere. YES! Das war schon bewegend! Alle lagen wir uns in den Armen, Glückwünsche und Freude überall.

 

 

Noch ein paar Bilder mit den eintrudelnden Familien und Freunden, dann holte ich mein Finisher-Shirt. Kleiderbeutel suchen, anschließend schönes warmes Duschen. Das tat jetzt richtig gut. Jule, Gudrun und Fred hatten ja nun schon einige Zeit in der Kälte gestanden und auf mich gewartet. Es wurde dann also Zeit nach Oberhof rückzukehren. Ich verabschiedete mich von Steffen und Gerd, leider sah ich Meli und Didi nicht mehr. Nach einer kurzen Wartezeit am Shuttlebus wurden wir wieder gut zu unserer Unterkunft gefahren. Jetzt war Zeit uns über unsere „Taten“ vom Tage auszutauschen. Wir hatten ja drei verschiedene Strecken bewältigt, jeder konnte etwas anderes berichten.

Später ging es dann gemeinsam ins Festzelt! Auch ein MUSS! 🙂 Super Stimmung, leckere Rostbratwurst, leckeres Köstritzer und jede Stunde das „Rennsteiglied“. Wir wurden immer textsicherer… Über Facebook verabredeten wir uns noch mit anderen jk-Runnern aus Berlin. Da muss man erst bis nach Thüringen fahren, um sich persönlich kennen zu lernen! Schön war´s!

Den Sonntag verbrachten Jule und ich in Oberhof. Bei schönem, aber kaltem Wetter erkundeten wir die Oberhofer Wintersportstätten, während Gudrun und Fred nach Eisenach fuhren. Abends wurden wir dann überrascht und von Fred zum Essen eingeladen. Er hatte kurz vorher Geburtstag, den wir nun nachträglich feierten. Wir fanden ein erstklassiges italienisches Restaurant, mit leckerem Essen wurden die Speicher wieder gut gefüllt. Der Abend wurde durch den lockeren Wirt und den „Promi-Tisch“ nebenan noch besser. Biathlet Arnd Pfeiffer saß mit drei Begleitern am Nachbartisch, Wirt und Sportler kannten sich bereits und machten ihre Scherze – und wir hatten jede Menge Grund zum Lachen. Danke Salvatore für den Grappa! 😉 Und Danke Fred noch einmal für die Einladung!

 

 

Montag war dann unser Kurzurlaub vorbei. Aber nicht bevor wir noch eine kleine Runde gelaufen sind. Vor dem Frühstück fuhren wir hoch zum Grenzadler und nahmen noch einmal ein paar Kilometer vom Rennsteig unter unsere Sohlen. Nach anfänglichem „unrunden“ Bewegungen, wurde es stetig besser. Das machte schon wieder richtig Spaß! Ein Souvenir konnten wir uns auch noch mitnehmen und taten hoffentlich auch etwas gutes damit: wir sammelten ein paar der Markierungspappschilder ein. Eins ziert jetzt mein Büro… 😉

Beim leckeren gemeinsamen Frühstück wurden Fakten geschaffen: 2013 wollen wir wiederkommen, gleiche Strecke, gleiche Wohnung, die gleichen Leute? Fred, wie sieht es nun aus? Unsere Meldung ist erfolgt! 😉

 

Weitere Berichte gibt es hier von FredGerd und Steffen. Das Video vom Lauf hatte ich bereits im ersten Teil verlinkt.

9 Replies to “Ein Lauf über die Höhen…”

  1. Ich gratuliere Dir ganz herzlich zu so einem fantastischen Ultra-Debüt! Und ich reiche Dir hier mal die Hand, denn auch für mich war’s das erste mal, auf dem Rennsteig. Aber eine Taufe, die hab ich nicht bekommen: wie muss ich mir die vorstellen?

    Viele Grüße aus Bremen
    Eddy

    1. Die Glückwünsche gebe ich gern zurück! Dein Anlauf am „Steilhang“ zum Großen Inselsberg wird wohl in die Geschichte des Laufes eingehen! 😉
      Die Taufe, na mir wurde ´ne Flache Champagner an den Kopf geknallt 😀 – okay eher symbolisch, der Moment wurde einfach gewürdigt und alle Läufer in der näheren Umgebung wurden darüber informiert und einbezogen. Eine tolle Aktion meiner 4 Begleiter!

      LG Heiko

  2. Yeppp!
    Nächstes Jahr wieder „auf nach Schmiedefeld“! Und dann kannst Du ja mal richtig Gas geben und ausprobieren was so geht. 😉
    Es hat einen Heidenspaß gemacht und ich bin mir sicher, dass wir uns bei der einen oder anderen Veranstaltung im Kreis der Verrückten wieder sehen werden. Würde mich riesig freuen.
    Nochmals herzlichen Glückwunsch zu deiner grandiosen Ultrapremiere. Die hat nicht jeder am Rennsteig absolviert!!!!

    1. Oooch muss ich Gas geben? Da wird sich schon eine flachere Strecke für finden. 😉 In unserem Tempo kann man sich mehr auf die sinnlichen Genüsse konzentrieren: sei es nun die schöne Landschaft, oder die Leberwurst- und Schmalzbemmen. Wir sehen uns!

  3. Hey Heiko,

    es hat wirklich einen riiiieeeeesssssigggeeeennnn Spaß mit euch allen gemacht. Und hier muss ich mal ein ganz dickes Lob an dich los werden:
    Du hättest es locker drauf gehabt deutlich schneller zu laufen, dich aber immer zurückgehalten und bist entsprechend bei der Gruppe geblieben – hey, das war großartig!
    Und nächstes Jahr, ja da kannst du mal zeigen, dass du, wie auch eigetlich schon in diesem JAhr, deutlich schneller kannst – ich würde mal sagen, locker unter 9 Stunden, oder noch schneller?

    Es freut mich jedenfalls wahnsinnig, dass wir uns nun auch „echt“ kennen, und hey, du bist einfach klasse!

    Gang ganz liebe Grüße aus Rheinhessen,
    Steffen

  4. Hallo Heiko,

    schöner knackiger Bericht vom Rennsteiglauf! Ja, ich muß erst mal die Termine sortieren. Der Rostocker Citylauf findet anscheinend wohl immer am gleichen Wochenende statt. Mal sehen was sich Gudrun als Geburtstagsgeschenk 2013 wünscht ??? Der „Super“-lange Kanten interessiert mich natürlich sehr! LG Fred

    1. Sorry Fred, ich habe eben auf der AA-Seite erst deinen Bericht entdeckt, dabei war er ja schon längst auf eurer Seite. Habe ich also sogleich noch verlinkt, gehört sich ja auch so! 😉
      Der Weg zum Jubiläums-Läufer ist lang, je eher du einsteigst… :mrgreen:

  5. Gratulation Heiko!
    Bahram, Ron, Andreas und ich haben „nur“ die 43 km gemacht!
    Aber mit Spaß und Vergnügen!
    Gruß

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