Durchgebissen


 

Er ist schon was Besonderes, dieser Halbmarathon in Berlin. Eine schnelle Strecke, geradezu prädestiniert für Bestzeiten. Außer dann, wenn nach einem kalten Winter beim Wettkampf urplötzlich fast hochsommerliche Temperaturen herrschen (wie am 3.4.2011) oder man immer noch mit den letzten Ausläufern einer Virusgrippe zu kämpfen hat, abgerundet durch Schmerzen im Fuß, deren Ursache muskuläre Verspannungen in der Wade sind (ich, am 1.4.2012 :(). Eigentlich standen also alle Anzeigen auf dunkelrot, es doch lieber sein zu lassen. Heiko war da vernünftiger, er entschied sich aufgrund seiner Erkältung nicht anzutreten. Und das tut weh, so richtig. Nur Zuschauer sein. Nach den langen Winterwochen, in denen man seine Kilometer abgespult hatte. Der Citylauf in Dresden im März musste ja nun schon ausfallen…

Naaajaaa, irgendwie wird das schon laufen, dachte ich. Der Coach bestätigte mir ebenfalls, dass ich ausreichend Kilometer intus habe, um starten zu können. Aber leider fehlten mir nun mal die finalen langen Vorbereitungsläufe. Es war zum Heulen. 🙁

 

Da stand ich nun also bibbernd vor Kälte einige Zeit vor dem Start im Block E auf der Karl-Marx-Allee, mit sanften Halsschmerzen, leichten Fußbeschwerden und Schniefnase. Wohl wissend, dass es noch mindestens eine halbe Stunde dauern würde, ehe es losgeht. Starts in Wellen, die Kenianer ganz vorne merken davon nichts. Die dürfen gleich lossprinten, wenn der Startschuss knallt. Und wir dahinten stehen da wie bestellt und nicht abgeholt. Zum Glück schien die Sonne und irgendwann war die Wartezeit geschafft; wir wurden auf die Strecke geschickt, die Kenianer einholen, wie der Ansager verkündete. Scherzkeks!

 

Superman, Batman und Co.

 

Ich hatte gleich verkündet, dass es für mich nur ein Sightseeinglauf werden würde. Das Publikum war toll, ich kann mich an kaum eine Stelle erinnern, wo mal keiner stand. Und immer wieder nette anfeuernde Zurufe, auch von den unmittelbar anliegenden Balkonen oder Fenstern der Häuser… Bei Kilometer 10 fiel für mich die Entscheidung: am KM 17 (Potsdamer Platz) steht Heiko, und da steige ich aus. Die 21, noch was km packe ich heute nicht. Ich hatte ja an der Stelle schon Beine wie Pudding. Und noch nicht mal die Hälfte geschafft. Och nee. Hier war allerdings der richtige Ort für mein leckeres Squeezy-Tomatengel, vielleicht konnte mich das ja wieder aufbauen…Schnell ein paar Schlucke Wasser und lauwarmen gesüßten Tee nachgetrunken (da war ein Verpflegungsstand, wie immer ein toller Service) und weiter, weiter, weiter. Irgendwie habe ich den Ku`damm erreicht. Das ist schon mal gut, ab da ist es nicht mehr so weit. Der Verpflegungsstand bei KM 14 kam, und noch ein Gel inhaliert. Gut. Jetzt war der Rest überschaubar. Das Lützowufer, eine schöne Ecke. Direkt am Wasser entlang. Und da vorne, der letzte leichte Anstieg zur Brücke, Richtung Heiko- Potsdamer Platz. Und wenn er jetzt nicht da steht? Eine leichte Sorge macht sich in mir breit. Dann MUSS ich ja weiter!! Er hatte meine Jacke einstecken, und die brauchte ich.

 

Potsdamer Platz KM 17

 

Viele Leute standen nicht gerade an unserer verabredeten Stelle. Aber nein, zum Glück klappt alles perfekt, Heiko ist vor Ort. Ich verlasse die Straße und halte an. Keinen Schritt weiter!! Ich habe jedoch nicht mit Heikos Ernsthaftigkeit gerechnet, was den Support anbelangt: „Du wirst doch wohl weiterlaufen, sind doch nur noch 4 Kilometer! Los! Auf gehts!“ Leise vor mich hin maulend überlege ich kurz, ob ich mir das wirklich antun soll. Ich zeige auf meinen Garmin, die Zeit ist bis dahin grottig, das will ich nicht… So laufe ich nicht über die Ziellinie! Ich überlege krampfhaft, ob ich nicht vorher noch irgendwo anders aussteigen könnte?!? Ich habe nur Heikos „Lauf weiter“ im Ohr und begebe mich mit langem Gesicht zurück auf die Strecke. Also gut, ich machs. Und dann geht es plötzlich wieder. Ich laufe zwar im Zeitlupentempo aber ich erreiche wirklich das Ziel. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass ich mit ner 7er Pace gefinisht habe. Also gut, 2:29:xx min habe ich gebraucht, gerade noch erträglich. Wer schreibt einem eigentlich diesen ständigen Fight mit der Zeit vor??  Humpelnd und mit Schmerzen schleiche ich durch den Zielbereich, mein Fuß streikt. Zufrieden bin ich nicht, war es das jetzt wert???

 

Mein Fazit: nein, so einen Kampf würde ich nicht noch einmal auf mich nehmen, dann lieber gar nicht erst antreten, der nächste Halbmarathon kommt bestimmt. Auch in Berlin. Die Gesundheit geht eindeutig vor. Auch jetzt noch, einige Tage später ist der Schnupfen/Husten immer noch hartnäckig und der Fuß meldet sich ständig. An Training ist nicht zu denken… 🙁

 

 

STIMMUNG! 🙂

 

4 Replies to “Durchgebissen”

  1. Liebe Juliane! Ich kann jetzt richtig nachfühlen wie du dich gefühlt hast! Heiko hat dich aber auch ganz toll motiviert 🙂 ! Meinen Glückwunsch dafür, dass du die Tortur so gut durchgestanden hast!
    Ich wünsche euch natürlich ein wunderschönes und erholsames Osterfest 🙂 ! – Oder steht etwa – wie bei mir – ein WK am Wochenende an 😉 !
    Gute Erholung und bis bald am Rennsteig!

    LG Fred

    1. Danke für deinen netten Worte Fred. Nein, bei uns ist einfach nur Pause über Ostern angesagt…
      Wir wünschen euch auch eine wunderschöne Osterzeit, habt ein paar ruhige Tage. Den WK nimmst du wahrscheinlich so nebenbei mit 😉
      LG, Heiko und Juliane

  2. Ach Jule, dass ist so schade und ärgerlich, dass ihr diesen Frühling von Schniefnasen und Hinkefüßen verfolgt werdet. Ich drück die Daumen für eine baldige Genesung und wünsche euch vorerst ein erholsames Ostern und dann einen um so schöneren Rennsteiglauf!

    1. Danke Grit, ja, es kann wirklich nur besser werden. Am Rennsteig gibt´s dann wieder Vollgas ;)!!
      Dir ebenfalls ein schönes Osterfest.
      LG, Jule

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