Kaiserwetter zum Salzkammergut-Marathon

Pünktlich zu unserer Herbsturlaubswoche zog der „goldene Oktober“ ein. Bei niedrigen Temperaturen aber wolkenlosem Himmel kamen wir im Salzkammergut an und bezogen eine tolle Ferienwohnung direkt am See. Das Wasser reichte sogar bis unter unseren Südbalkon. Wenige Minuten nach uns trafen unsere Lauffreunde aus der Achim-Achilles-Community (Sektion „Supertalente“ 😉 ) ein – perfekt! Die äußeren Bedingungen stimmten also. 😀

 

Morgenstimmung am Wolfgangsee

 

Den Freitag-Abend verbrachten wir dann mit ausgiebigen „Fachgesprächen“ und Planung der nächsten Tage. Am Samstag bummelten wir etwas durch St. Wolfgang und die Abholung der Startunterlagen war auf der Tagesordnung. Die Läufer-Messe bestand zwar nur aus drei Ständen, aber wir waren ja auch nicht zum Shoppen angereist… Ansonsten war der offizielle Teil am Samstag schnell erledigt, unsere Unterlagen erhalten und wir genossen die Ruhe und das tolle Wetter. Jeder hatte noch mit sich und seinen Vorbereitungen zu tun. Den Abend verbrachten wir wieder in großer Runde. Gemeinsames Pasta-Essen und ein wenig „Anregung“ der roten Blutkörperchen ließen die Zeit verfliegen.

Nun war er ´ran, der große Tag. Meinen dritten Marathon in diesem Jahr wollte ich hier laufen. Ein Novum war jedoch dabei, es ging mir nicht um die Zeit, sondern diesmal an erster Stelle um den Genuss der Landschaft und das Privileg, beim 1.Salzkammergut Marathon einer der nur 250 Starter zu sein. Eine Bestzeit wäre hier sowieso mehr als utopisch gewesen, zum Einen war der Berlin Marathon erst vor kurzem, zum Anderen gab es hier reichlich Höhenmeter zu bewältigen. Und das als Flachlandtiroler…  😉

 

Am Start: Trinkhalle Bad Ischl

 

Um 9.30 Uhr sollte der Start in Bad Ischl erfolgen. Dazu mussten die Marathonis mittels Bustransfer dorthin gebracht werden. Dies funktionierte, wie die komplette Organisation,  sehr professionell und unkompliziert. In Bad Ischl hatte ich noch eine gute halbe Stunde Zeit, die ich zum Toilettenbesuch, Kleiderabgabe, etwas Einlaufen und natürlich Fotografieren nutzte. Das Mitführen einer Fotokamera gehörte für mich zum „Genuss-Lauf“ einfach dazu.

Dann der Start, nicht ganz pünktlich, aber da sowieso nur Bruttozeitmessung war, spielte das nun auch keine große Rolle mehr. Es setzten sich 250 Marathon-Läufer bei sonnigen 5°C in Bewegung. Die sehr ambitionierten Cracks waren natürlich gleich weg, aber das „normale“ Feld bewegte sich ziemlich homogen fort. Ich fühlte mich gleich wohl! 🙂 Der erste Kilometer war noch Stadtgebiet, danach wechselten wir für ca. 2km auf einen sehr schmalen Pfad direkt an der „Ischl“ entlang. Der Weg war wirklich nur für eine Läuferbreite ausgelegt, es kam aber auch nicht zu irgendwelchen waghalsigen Überholmanövern. Gelassenheit herrschte im Feld, so konnte es weiter gehen.

Weiter über kleinere Landstraßen; links und rechts bot sich ein herrliches Bergpanorama. Das Profil war leicht steigend, vor der ersten Labestelle bei km 6,6 ging es aber schon einmal richtig zur Sache. Ein kleiner Vorgeschmack auf den folgenden Anstieg am „Falkenstein“. Die nächsten Kilometer waren kupiert, aber alles gut laufbar. Einheimische oder zumindest „Nicht-Flachländer“ werden wohl dieses Auf und Ab nicht einmal wahrgenommen haben- ich schon. 😉 Meine Pace war jedenfalls viel zu hoch, für meine vage Endzeitvorhersage. Denn auch wenn der Genuss ganz oben stand, etwas Ehrgeiz war natürlich auch vorhanden. Ein Polster am Anfang konnte jedenfalls nicht schaden, oder?

Nach etwa 11,5 Kilometern trafen wir auf den Originalkurs des Wolfgangseelaufs (27km). Wir nutzten nun die spätere letzte Labe als Verpflegungspunkt und liefen schon einmal die verbleibenden Kilometer nach St. Wolfgang hinein. In der Stadt wurden wir am eigentlichen Ziel vorbei geführt und starteten dann auf den 27km-Rundkurs. Eine schöne Idee, eine Marathonstrecke hier beim traditionellem Lauf zu etablieren. Unsere Ferienwohnung lag wenige Meter hinter Kilometer 1, die Wirtsleute standen mit anderen Anwohnern auf der Straße zum Anfeuern.  Nett.

 

Am Einstieg zum Falkenstein

 

Es folgten flache Kilometer auf der Uferstraße bis zum Kilometer 19. Jetzt wurde es ernst. Ich hatte vorher schon von anderen erfahrenen Wolfgangsee- Läufern nur ein verschmitztes „Na dann mach dich mal auf was gefasst!“ gehört. In der Ausschreibung stand: „250 Höhenmeter starke Steigung“ – aber wozu fahren wir jedes Jahr in die Alpen zum Bergwandern? 😉 Und genau das wurde es dann auch: ein schnelles „Wandern“ um den bösen Begriff mit „Walk**“ nicht zu verwenden… :mrgreen: Das war heftig, mein Herz und meine Lungen leisteten Schwerstarbeit. Andere Mitläufer, die noch einen erkennbaren Laufschritt hatten, kamen aber auch nicht viel schneller voran – es sah halt nur besser aus… 😉 Aber irgendwann war auch dieser Teil bezwungen und es ging ebenso steil wieder abwärts. Auch etwas Neues für mich.

 

Blick hinunter kurz vor dem höchsten Punkt der Strecke

 

Auf einem tollen Kiesweg am Ufer entlang laufend, musste ich immer wieder pausieren um Fotos zu machen. Es war einfach herrlich, mehr als die Hälfte der Strecke war geschafft, die schwierigsten Etappen lagen hinter mir. Meine Pace hatte nach dem Falkenstein ein anderes Level erreicht, aber das war mir echt egal. Ich war jetzt im „Genuss-Modus“. Mittlerweile überholte ich immer mehr der 27km-Läufer, diese waren genau eine Stunde nach uns gestartet. Es wurde nicht langweilig. 🙂 Plötzlich musste ich stutzen, konnte das sein? Lief da wirklich Katrin vor mir? Sie war, so wie ich als einziger Marathon-Läufer, als einzige 27km-Läuferin aus unserer kleinen Truppe unterwegs. Abends zuvor hatten wir noch gerätselt, ob meine höhere Geschwindigkeit reichen würde, sie überhaupt noch einzuholen. Und sie war es wirklich. Kurze Zeit liefen wir zusammen, machten gegenseitig Fotos und tauschten uns über den bezwungenen Falkenstein aus. Dann zog ich leider allein weiter.

 

Uferweg

 

Weiter auf dieser Panorama-Tour über den Zinkenbach, nach Gschwand und Gschwendt. Dort startete der 10km Uferlauf. Tolle Stimmung empfing uns, die Marathonis wurden persönlich über Lautsprecher begrüßt! Aber langsam wurde es dann doch zäher und härter. Ich ließ mir nun mehr und mehr Zeit, baute die Fotopausen aus und legte auch so ab und an Gehpausen ein. Trotzdem war ich guter Laune und konnte die Natur genießen. Schließlich erreichte ich Strobl, ein weiterer Startpunkt- der der Panorama -Läufer (5,2km). Nun war es nicht mehr weit, die Strecke ja schon bekannt.

Der finale langgezogene Anstieg in den Ortskern von St. Wolfgang war erreicht, hier stand plötzlich Gira und feuerte mich an. Dann die letzten kleinen Straßen und Kurven und Jule und Otti winkten und riefen! Ich hörte hinter mir meinen Namen, war mir aber nicht sicher. Das Ziel nur noch wenige Meter entfernt, drehte ich mich natürlich nicht mehr um. Dann geschafft, im Ziel! Und eine Läuferin wurde sogleich nach mir im Ziel begrüßt: Katrin hatte mich fast wieder eingeholt, sie hatte gerufen! Schade, das wäre auch ein schöner gemeinsamer Einlauf geworden.

 

Klasse Kilometermarke der Originalstrecke

 

 Unsere Gruppe war wieder komplett, Jule und Otti waren den Uferlauf gemeinsam angegangen und hatten noch ordentlich Luft nach oben. Gira konnte auf der 5,2km-Strecke sogar einen AK-Sieg einfahren. Katrin hatte den 40. Jubiläumslauf  erfolgreich bestritten und ich meinen Marathon. Es war jede Menge gegenseitig zu berichten, und dies taten wir dann auch den restlichen Tag. 😀 Erst beim gemeinsamen Kaffee und Kuchen, später im reservierten urigen Restaurant.

Ein perfektes Wochenende!!!

 

Jule hat ihre Eindrücke vom Uferlauf hier niedergeschrieben.

6 Replies to “Kaiserwetter zum Salzkammergut-Marathon”

  1. Herrlich… Habe den Text echt genossen. Besonders an der Stelle „kamen aber auch nicht viel schneller voran – es sah halt nur besser aus…“ fand ich witzig. War sicher ein tolles Erlebnis. Wer die Gegend kennt, der weiß warum du hier einen Genusslauf angestrebt hast.

  2. Wie immer ein toller Bericht ergänzt durch die stimmungsvollen Bilder von der Strecke – man spürt förmlich die Anstiege und damit verbundenen Anstrengungen. Das wärs doch noch gewesen – gemeinsamen Zieleinlauf mit Katrin. Allerdings hätte ich kurz vor dem Ziel wohl auch nicht mehr zurück geschaut. Jedenfalls hattet ihr ja alle gemeinsam ein tolles Wochenende 🙂 !

    LG Fred

  3. Ach wie schön! Wunderbarer Bericht. Er gibt haargenau das schöne Wetter und die schöne Stimmung auf der Strecke und am Streckenrand wieder. Schreit einfach nach Wiederholung:-)

    1. Die Wiederholung ist doch schon bereits festgeschrieben in der Langzeitplanung, oder? Wir könnten aber auch schon zum 45. bzw. 5.Lauf wiederkommen! 😉

  4. bin beim lesen in gedanken gerade noch mal die 27km mitgelaufen. war ein tolles wochenende, mit tollem wetter, toller stimmung und GENUSS pur! das verlangt nach wiederholung, spätestens beim 45.!
    keep on running!

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