Marathon in Berlin

Nun war es endlich soweit, gestern war mein großer Tag – ich lief den 38. BMW Berlin Marathon!

Die letzten Trainingswochen waren ganz klar ausgerichtet auf diesen Höhepunkt, mein Klemmbrettplan von jk Running steigerte die Umfänge, die Tempoeinheiten wurden länger, die Wochenkilometer mehr. Es gab keine Zweifel, der Coach führte mich Stück für Stück auf ein Niveau welches ich für meine Vorgabe von 3:35h benötigte. Gleichzeitig wuchs auch meine Zuversicht, die Bestzeit vom Darß-Marathon im April hier in Berlin unterbieten zu können. Aber Training ist Training und ein Marathon ist ein Marathon!

Nun war es also soweit, die Marathon-Woche. Montag bis Mittwoch war ich dienstlich im Münsterland und konnte dort noch zwei tolle Trainings in neuer Umgebung absolvieren. Das hat Spaß gemacht, ich bin auf dem Ems-Radweg gelaufen, durch die noch schlafende Altstadt von Telgte und durch neblige Ems-Auenwiesen. Die letzten Intervalle fanden hier auch statt. 🙂 Ab Donnerstag wieder in der Heimat, stand auch gleich der Besuch der Marathon-Messe an. Wir nutzten die sehr entspannte Atmosphäre am Donnerstag-Abend, um meine Startunterlagen abzuholen und ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Der Höhepunkt sollte aber der Besuch meines Lieblingsausrüsters „BROOKS“ sein. Leider war dort am Nachmittag ein kleines Unglück passiert und der Stand konnte seine wirkliche Qualität und Show-Kraft nicht präsentieren. Wir wurden trotzdem nett betreut und probierten die neuen Modelle des „PureProject“ an. Weltklasse!!! Wenn das heimische Schuhregal nicht so voll mit neuen Schuhen wäre, aber bald… 😉 Der Freitag hatte nochmal ein kleines Läufchen für mich parat, entspannte 8 Kilometer zum Auflockern. Der Samstag wurde ruhig verbracht, bis zum Abend denn da war ja das Pizza-Pasta-Essen mit unseren Freunden aus Berlin und Kassel geplant. Wir düsten am zeitigen Abend wieder einmal in die Hauptstadt und verlebten ein paar tolle Stunden.

 

Pizza/Pasta-Essen mit Freunden und Mitläufern

 

Nach kurzer aber ruhiger Nacht klingelte um 5.00 Uhr am Sonntag der Wecker. Ein leichtes Frühstück, einen kräftigen Kaffee und letzte Handgriffe bzw. Kontrolle der gepackten Sachen und schon war Abfahrt! Meine Schwester fuhr dieses Mal, so konnte ich auch noch etwas entspannen und die Füße ausstrecken. Wir parkten in der Nähe vom Bahnhof Friedrichstraße und entschieden uns, zum Startbereich zu laufen und das tolle Wetter zu genießen. Zeitig genug waren wir dort, so konnten wir schon ein bisschen die Stimmung der Stadt aufnehmen. Dann klingelte auch schon erstmals mein Telefon, Fred war am anderen Ende. Sie hatten es auch pünktlich geschafft, wenige Minuten später gab es dann das Wiedersehen mit den „Sprintefixen“ in geballter Familienstärke plus Hund! 🙂 Freds süddeutscher Lauffreund Micha mit Marathon-Debütanten-Anhang komplettierte das morgendliche Treffen. Es herrschte eine aufgeregt-freudige Stimmung – wir waren alle „heiß“ auf den Lauf!

 

Aufstellung der LäuferInnen

 

Die Zeit schritt plötzlich mit großen Schritten voran, wir mussten nun Abschied nehmen. Jule, Gudrun, Jana, Matze, Roland und Pino ließen wir zurück – eine ordentliche Supporter-Schar! 😀 Wir Marathonis begaben uns in Richtung Kleideraufbewahrung. Dort trennten wir uns auch, die Massen an Leuten waren gigantisch und wir mussten ja auch alle in unterschiedliche Richtungen zur Abgabe der Sachen. Zufällig traf ich auf Stefan, einen weiteren Läufer der Achim-Achilles-Community. Wir wünschten uns gegenseitig Glück und ich begab mich in Richtung Startbereich. Fred fand mich in der Masse, und auch Jens konnten wir noch kurz begrüßen. Die gemeinsame Auswertung nach dem Lauf war natürlich schon längst besprochen und eingeplant! Bis zu den Zugängen der einzelnen Blöcke ging ich mit Fred, hier hieß es dann auch für uns, uns zu verabschieden.

Aufgrund doch recht fortgeschrittener Zeit (wo war die nur geblieben?), war an einen direkten Zugang in den Block nicht mehr zu denken. Ich kletterte dann an einer lichten Stelle über den Zaun und fühlte mich nach kurzer Zeit wie eine Sardine in der Büchse… Die Minuten vergingen, glücklicherweise hatte ich meinen Forerunner schon außerhalb aktiviert, die Satellitenerfassung im Startblock funktionierte bei etlichen Mitläufern überhaupt nicht. Dann die Begrüßung der Stars: Paula Radcliff, Irina Mikitenko, Patrick Makau und natürlich Haile Gebrselassie. Viel Beifall, ist ja auch ein geschichtsträchtiger Tag mit den Weltrekordlern zu laufen! Dann der Startschuss und ein Meer von roten Ballons verschwand in den Himmel. Ich passierte genau nach 9 Minuten die Startlinie, da waren die Spitzenläufer schon bei Kilometer 3. Jetzt begann auch mein Rennen! Ich fühlte mich bereit und vorbereitet, es stimmte einfach.

Wenn sich 40000 Läufer in Bewegung setzen, ist es voll. Ganz klar! Aber irgendwie lief es doch viel zügiger als gedacht und als erlebt bei wesentlich kleineren Läufen. Meine Kilometer 1 und 2 konnte ich in Ø5.05 also schon geplantes Renntempo laufen, waoh das fing gut an. Bei so vielen Läufern zieht sich natürlich das Feld nicht gleich auseinander, aber es wurde übersichtlicher. Die folgenden Laufabschnitte konnte ich sehr gleichmäßig in durchschnittlichen 4.58 laufen. Perfekt, das steigerte die Motivation und das Selbstvertrauen. Meine weltbeste Supporterin Jule hatte sich für den Kilometer 8 als ersten Treffpunkt entschieden. Und es funktionierte, wir sahen uns kurz und konnten nochmal „abklatschen“ – eine freudige Welle durchfuhr mich und neues Adrenalin wurde freigesetzt! Perfekt! Weiter nach Plan, obwohl es den ja eigentlich gar nicht gab. Mein Ziel war nur eine Zeit von unter 3:35h. Klar insgeheim träumte ich auch von der 3:30-Marke, aber überpacen wollte ich auch nicht.

 

Historisches Streckenschild 🙂

 

Die Pace kontrollierte ich unregelmäßig, ich fühlte mich gut, das Tempo stimmte sagte meine innere Uhr. Die erste Trinkpause gab es bei ca. Kilometer 9, und bei Kilometer 15 nahm ich ein neues Trinkgel von Squeezy. Da hat sich der Kauf gelohnt, kein zähes Gequetsche des Beutels mehr, gleich in Wasser aufgelöstes Gel und damit Einsparung eines Wasserstops! Weiter. Die Halbmarathonmarke war erreicht, ich drückte die „Lap-Taste“ und musste feststellen, dass mein Garmin bereits 21,39km anzeigte. Damit passte natürlich auch die angezeigte Pace nicht mehr. Ich zog etwas an, um dieses auszugleichen. Noch war immerhin ein Finish im „Traumbereich“ möglich. Es lief auch weiterhin richtig gut. Die tolle Strecke und die super Stimmung am Rand konnte ich richtig genießen. Viele Trommler, aber auch alle möglichen anderen Musikrichtungen wurden uns geboten und teilweise von besonders entspannten Läufern mitgegrölt. Fantastisch, wer bei solchem Tempo noch singen kann, ist wahrlich weit entfernt von seiner Leistungsgrenze.

Kilometer 29 und ein weiteres Trinkgel. Noch drei Kilometer bis zum nächsten Treffpunkt mit Jule. Auch die waren schnell um. Wir hatten uns hinter dem Fehrbelliner Platz verabredet, eine „Verpflegungsübergabe“ sollte hier stattfinden. Ein weiteres Gelpack und ein „Mocki-Spezialmix“ sollte mich pushen 😉 Alles klappte wie wir es verabredet hatten: Jule rief und winkte, ich war noch wach genug es zu sehen. Das Gel nahm ich dann doch nicht mehr mit, das Getränk dafür schon, aber mehr als zwei Schlucke brachte ich hiervon nicht runter – an der Dosierung muss noch gearbeitet werden. Die kleine Flasche landete dann am nächsten Verpflegungspunkt im Abfall.

Noch 10 Kilometer, sollte jetzt noch das dicke Ende kommen und ich meinen Tribut für das ambitionierte Tempo zahlen? Die Kilometer wurden jedenfalls etwas zäher. Ein richtiger Einbruch blieb jedoch aus. Ich konnte viele, viele gehende Läufer überholen. Selbst musste ich keine Gehpause einlegen, ich nutzte nun aber jeden Wasser- bzw. Verpflegungspunkt zum durchatmen und um den Puls wieder etwas nach unten zu drücken. Meine Pace kletterte damit jedoch auf über die 5.0x-Marke, die angestrebte Zielzeit von 3:35 blieb machbar. Auf jeden Fall aber eine neue deutliche PB! Der Kilometer 40 war der schlechteste, deutlich langsamer und eine lange Trinkpause. Jetzt machte es aber nochmal „Klick“ im Kopf: Aufwachen, es sind nur noch knapp 2 Kilometer!

Die Straße Unter den Linden war erreicht, Jule wollte hier nochmal stehen. Ich „verordnete“ mir neue Kraft und einen vernünftigen Gesichtsausdruck – ich wollte das Motto eines Läufershirts von der Strecke aufgreifen: „Whatever you do, do it with PRIDE!“. Es gelang mir auch 😉 Kilometer 42 wieder in 4.57! Und auch Jule hatte es geschafft, pünktlich war sie vom Kilometer 32 eingetroffen und schmetterte mir ein „Heiko! Heiko!“ zu – da war er jetzt – der Kloß im Hals.

Das Brandenburger Tor vor Augen, den Zieltunnel dahinter und neue PB in den Füßen. Letzte Kontrolle des Forerunners: 3:34:40 und gerade die 42-Kilometer-Marke passiert. Noch 20 Sekunden – „Renn, du Sau!“ – okay etwas überambitioniert, aber ein ordentlicher Schlusssprint ist es geworden! 😀 Nach 3:35:23 bin ich glücklich über die Ziellinie gelaufen.

 

 

Auswertung und Ausblick folgen im zweiten Teil

12 Replies to “Marathon in Berlin”

  1. Super! Herzlichen Glückwunsch zur neuen PB und zu deiner großartigen Motivationsleistung am Ende!
    Ich wünsch dir eine gute Erholung und dann noch viele tolle Wettkämpfe mit so einem Ergebnis 🙂

      1. Ist fertig! 🙂 Musste erst meine Gedanken ordnen – vermutlich hätte ich sonst vor lauter Freude und Euphorie nur über Blümchen, Glitzer, Harmonie und Weltfrieden geschrieben. 😉

  2. Nochmals Glückwunsch, Heiko! Du hast alles richtig gemacht – bis auf, dass du anscheinend Gudruns Kamera gemieden hast 😉 . Sehr schöner Bericht von dir! LG Fred

  3. Wirklich ein Traum-Lauf, da kann ich dir nur noch einmal gratulieren! Schöne Zusammenfassung, die einem Gänsehaut verpasst. Was für eine Zeit!

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