BIG 25 Berlin – Eine Straßenlauf-Legende

08. Mai 2011  Berlin  10.00 Uhr: der Startschuss fällt und gut 10000 Läufer setzen sich in Bewegung. Und ich mittendrin im Block 2 auf “ Persönlicher-Bestzeit-Jagd“. 😉 Denn egal welches Ergebnis, eine PB wurde es sowieso!

Ein kurzer Rückblick: vor 3 Wochen am 17.04. startete ich beim Darß-Marathon. Es folgten etwa 10 ruhigere Tage, mit nur leichten Einheiten, dann stieg ich wieder ins normale Training ein. Die letzten Tage vor dem Berliner Lauf fühlte ich mich jedoch nicht so richtig fit. Leichte muskuläre Schmerzen in der Hüfte und Oberschenkel ließen mich wirklich nur die Vorgaben des Klemmbretts einhalten. Sonst fällt schon mal der ein oder andere Extrakilometer an. Samstag dann Ruhe, leckeres Nudel-Essen und abends noch zu Dr. Mark Benecke – ein MUSS wenn er schon mal wieder hier bei uns ist.

Olympischer Platz

Race-Day:

Nach entspannter Nachtruhe klingelte um 6.00 Uhr der Wecker. Leichtes Frühstück, drei Tassen Kaffee und letzte Sachen bereitlegen bzw. einpacken. Dann setzte ich mich mit den Hunden in Bewegung in Richtung „4-Beiner-Tagespension“ Schwiegereltern. Jule holte derweil Moni und Jörg ab, unser heutiges Support-Team! 🙂 Unspektakuläre Fahrt nach Berlin, problemlose Parkplatzsuche in Stadionnähe und kurze Schlange bei der Unterlagen-Abholung. So hatten wir noch genügend Zeit uns ins Stadioninnere zu begeben und die Treffpunkte abzusprechen.  Moni und Jörg machten sich auf den Weg zur S-Bahn, wir gaben unsere Sachen ab, kurzes Einlaufen, noch ein paar Bilder und der Weg in die Startaufstellung. Jule wollte nicht erst wieder auf den letzten Drücker in den Block, ich eigentlich auch nicht. Wir wünschten uns gegenseitig viel Erfolg und trennten uns. Im Startblock traf ich dann auf mehrere Bekannte vom JK-Training und letztlich kamen auch André und Karsten aus unserem Staffelteam. Die letzten Minuten vor dem Start verflogen…

Der Lauf:

Trotz meiner Wehwehchen und dem Sommerwetter hatte ich mir wieder zwei Ziele gesteckt – ein Minimalziel und ein Wunschziel. Also los, nicht lange zögern und Tempo aufnehmen ohne zu übertreiben. Die ersten Kilometer blieb ich in Tuchfühlung mit zwei Pacemakern, einer für die 10km und der andere für die 25km mit Zielzeit 50min bzw. 2:05:00h; also eine 5:00er Zeit, das war auch mein Plan. Die Beiden meinten es aber dann doch etwas zu gut und liefen deutlich schneller. Also doch lieber „allein“ weiter ohne den Stress. Ich merkte nach der Starteuphorie schnell meine rechte Seite und begann innerlich zu fluchen. Irgendwie steigerte ich mich da so richtig ´rein, soweit, dass ich wirklich an einen Ausstieg dachte. Aber halt, erstmal war ja etwa für den Kilometer 6 ein erster Treffpunkt mit unserem Support verabredet – den musste ich natürlich erreichen. Ich sah die beiden wieder zuerst, Moni war bereit zum Fotografieren, die Kamera nicht. 🙁 Okay, auch keine Aufheiterung. Dann plötzlich „quasselte“ jemand neben mir: „… die Kamera…nicht bereit…zu schnell…ich renne vor…“ – hej das war Jörg! Selbst ambitionierter Läufer, hatte er sich die Kamera geschnappt und sich auf die Verfolgung gemacht. Er preschte dann vorbei und hat sich nochmal weiter vorne positioniert. DAS gab aber Auftrieb und neidische Kommentare der Läufer um mich herum 🙂 Daumen hoch!

Leider verflog die Stimmung recht schnell und ich musste wieder kämpfen. Nach Kilometer 8 war ich wirklich nahe daran auszusteigen. Die Stimmen im Kopf stritten sich lautstark: „Gibt es nicht, hast du noch nie gemacht, wäre ja noch schöner, nimm Tempo raus!“ und die andere Seite hielt dagegen: „Irgendwann ist es halt mal soweit, die Saison ist noch lang, es stehen noch andere Läufe an, soll es eine ernsthafte Verletzung werden?“. Oh Mann!? Und plötzlich lief es wieder! Ich zog die neue Kraft und Entschlossenheit aus dieser genialen Strecke. Die Siegessäule lag schon hinter mir, jetzt ging es durch das Brandenburger Tor, Unter den Linden, Friedrichstraße und weiter zum Potsdamer Platz. Und es lief…

Die Getränkestände nahm ich heute alle mit und nutzte sie jeweils als kleine Pause. Mir fiel da die Marathon-Strategie meines Kollegen ein, der es richtig krachen lässt, dann aber auch richtige Gehpausen einbaut. Bei seinem 4. Platz in der Gesamtwertung des Darß-Marathons (2:58:50!!!) kann er nicht so schlecht damit gefahren sein 😉 Und auch bei mir lief es so weiterhin ganz gut. An der Gedächtniskirche standen Moni und Jörg wieder und feuerten mich nochmal an. Toll! Dann wieder die elende Kantstraße. Egal in welcher Richtung und bei welchem Lauf man über diese Straße rennt, es ist immer ätzend und demotivierend. Verpflegungspunkt bei Kilometer 20 und Haus des Rundfunks: ein neuerlicher kleiner Tiefpunkt. Aber okay, die Halbmarathonzeit wurde dahinter gleich genommen, also zusammenreissen und nicht nachlassen. Die letzten Kilometer brechen an, man sieht das Stadion, man fühlt das Stadion, man hört das Stadion und doch sind es noch fast drei Kilometer. Laufen! Jetzt noch zwei Kilometer, vom Pflaster geht es nun auf einen gesplitteten Fußweg und rein in die Staubwolke! Die Läufer neben mir werden langsamer, ich werde langsamer – ach nur ein paar Meter ausruhen – doch „Halt!“ brülle ich mich selbst an, „bist du besch…?“ – nix ausruhen, ab ins Ziel!

Endlich der letzte Kilometer, alles vorher vergessen, alles wieder auf „Null“. Das Tor zum Stadiongelände, die Zufahrt in die Katakomben. Die Samba-Band trommelt, die Scheinwerfer-Orgel weist den Weg, die Stimmung steigt! Raus ins Licht und auf diese einmalige blaue Tartanbahn. Liegen jetzt schon 24,7 Kilometer hinter mir? Gefühlsmäßig berühren meine Beine die Bahn gar nicht, ich stürme ins Ziel. 2:07:06 sind es offiziell geworden, ist mir in diesem Moment aber sowas von egal! 🙂 Ich bekomme die Medaille umgehangen und dann ist da auch schon Freund Karsten der auf mich gewartet hat! Weitere JK-Runner laufen ein und erste Auswertungen werden an der Nach-Ziel-Verpflegung abgehalten. Jule finished und es wird Zeit sich unsererseits um den Support zu kümmern…

Finisher 🙂

Mein Fazit:

Absolut lohnenswerter Lauf, der Einlauf ins Olympiastadion ist einmalig, die Strecke größtenteils auch. Die Verpflegung könnte besser sein, vielleicht findet sich ja mal ein Sponsor für alk.-freies Bier… Meine Wunschzeit habe ich nicht erlaufen, an meinem Minimalziel bin ich 6 Sekunden vorbeigeschrammt. ABER doch neue PB – es gab nämlich noch keine über 25 Kilometer 😉

3 Replies to “BIG 25 Berlin – Eine Straßenlauf-Legende”

  1. Hallo Heiko! Ein sehr schöner Bericht vom BIG 25! Man leidet förmlich mit, wenn sich den Streit der Stimmen im Kopf so vorstellt. Trotzdem, du hast es durchgezogen in einer sehr respektablen Zeit :-)! Meinen Glückwunsch zur Super-PB ! LG Fred

  2. Jule, Heiko, herzlichen Glückwunsch an euch beide. Heiko, ich kann es nicht glauben, dass du so kurz nach dem Marathon schon wieder 25km rennst. Respekt.

    1. Ach Pony das war doch ein Test, denn im Herbst gibt es zwei ganze M. im gleichen Abstand 🙂 (Aber sicherlich nicht in diesem Tempo dann…)

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